In Bosnien und Herzegowina verbirgt sich ein faszinierendes Geheimnis aus der Tiefe: Schätzungen zufolge existieren über 40.000 Höhlen im Land, während offiziell nur rund 6.000 registriert sind. Diese beeindruckende Zahl findet ihre Erklärung in der geologischen Beschaffenheit der Region, die zu etwa 60 % aus Karstgebieten besteht. Diese Landschaftsform bietet ideale Bedingungen für die Entstehung von Höhlen, die nicht nur Naturschätze darstellen, sondern auch bedeutende Informationen über die Erdgeschichte und Klimaveränderungen speichern. Die Entdeckung von 15 neuen Höhlen bei einer jüngsten Untersuchung verdeutlicht das immense Potenzial dieser aufstrebenden Forschungsgebiete. Doch selbst bei anhaltendem Forschungseifer reicht eine Million Jahre nicht aus, um all diese Unterwelten zu erkunden, wie Bosnische Experten warnen. Dies berichtet Kosmo.
Die Höhlen in Bosnien und Herzegowina bilden ein wertvolles Archiv, das Sedimente und Resten vergangener Lebensformen birgt. Solche Daten sind unverzichtbar, um die klimatischen Veränderungen über Jahrtausende hinweg zu verstehen. Besonders hervorzuheben sind die Ledenica-Höhle und die ehemaligen Eishöhlen auf der Romanija, die exemplarisch für die Vielfalt dieser unterirdischen Welt stehen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind jedoch bereits spürbar: In der Bijambara-Höhle verschwindet das Eis, ein besorgniserregendes Zeichen für zukünftige Forschungen. Hazim Hrvatovic hebt die kulturhistorische und wissenschaftliche Bedeutung dieser Höhlen hervor und bezeichnet sie als Archive des Lebens und Indikatoren für Klimaveränderungen.
Die Wissenschaft der Höhlenforschung
Speläologie, die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Höhlen und Karstformen beschäftigt, hat sich zu einer interdisziplinären Wissenschaft entwickelt. Sie vereint verschiedene Teilbereiche wie Geologie, Biologie und Hydrologie und zielt darauf ab, Höhlen zu erforschen und zu schützen. Der Begriff wurde maßgeblich durch Édouard Alfred Martel geprägt, den Begründer der modernen Höhlenforschung. Die Arbeiten der Speläologen umfassen unter anderem die Vermessung von Höhlen, Kartografie und Messungen der Luft- und Wasserbedingungen. Diese Daten sind entscheidend für die Zukunft der Höhlenforschung und deren Anwendungen im Naturschutz und der Umweltforschung, wie auf Wikipedia erläutert wird Wikipedia.
Forscher sind oft Teil von höhlenkundlichen Vereinen und nutzen eine Vielzahl von Techniken, um neue Höhlen zu entdecken und zu kartieren. Die dafür notwendige Ausrüstung umfasst Steinschlaghelme, robuste Overalls und spezielle Messgeräte. Die realen Gefahren in Höhlen, wie Hochwasser und Verletzungen, werden dabei nicht unterschätzt. Höhlenrettungstrupps bestehen meistens aus aktiven Höhlenforschern, die mit ihren spezifischen Fähigkeiten oft in kritischen Situationen einspringen müssen.
Aktuelle Herausforderungen der Speläologie
Trotz der immensen Bedeutung der Höhlenforschung in Bosnien und Herzegowina mangelt es an institutioneller Unterstützung und finanziellen Mitteln. Mulaomerovic, ein engagierter Forscher, kritisiert den respektlosen Umgang mit den Höhlen, die häufig als illegale Mülldeponien genutzt werden. Nur wenige Enthusiasten widmen sich der Speläologie im Land, während viele internationale Forscher aus anderen Ländern an die entlegenen Orte kommen, um diese natürlichen Schätze zu studieren. Dies hebt die Dringlichkeit hervor, die Forschung und den Schutz der Höhlenlandschaften voranzutreiben.
Das Institut für angewandte Karst- und Höhlenkunde (IKH), gegründet im Jahr 2006, bündelt die Arbeit von rund 2.300 organisierten Höhlenforschern in Deutschland und trägt zur interdisziplinären Erforschung bei. Es unterstützt Behörden, Universitäten und Naturschutzverbände bei der Dokumentation von Höhlen und Karsterscheinungen Karstinstitut. Damit wird das Potenzial der Höhlenforschung sowohl für die Wissenschaft als auch für den Naturschutz deutlich, während gleichzeitig die kulturelle Wertschätzung dieser einzigartigen natürlichen Strukturen gefördert wird.