Schockierende Vorwürfe: Gmeiner-Denkmal soll wegen Missbrauch entfernt werden!
Ursula Berner fordert die Entfernung des Hermann Gmeiner-Denkmals in Wien wegen Missbrauchsvorwürfen gegen den Gründer der SOS-Kinderdörfer.

Schockierende Vorwürfe: Gmeiner-Denkmal soll wegen Missbrauch entfernt werden!
In den letzten Wochen haben sich die Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner, den Gründer der SOS-Kinderdörfer, überschlagen. Ursula Berner, Kultur- und Familiensprecherin der Grünen Wien, fordert nun eine radikale Auseinandersetzung mit Gmeiners Erbe. In einer aktuellen Stellungnahme beanstandet sie, dass es keine öffentliche Ehrung für Gmeiner geben sollte, da die dunkle Seite seines Lebens nicht ignoriert werden kann. Berner fordert auch die Überprüfung aller Gmeiner-Gedenkobjekte in Wien und plädiert für die Entfernung des Hermann Gmeiner-Denkmals. Stattdessen schlägt sie vor, das Denkmal durch einen Gedenkstein für die Opfer von Missbrauch in öffentlichen Einrichtungen zu ersetzen. Dies soll ein starkes Zeichen gegen Täter sein und das Bewusstsein für Übergriffe in der Kinder- und Jugendhilfe schärfen, wie sie betont. Alexander Hirschenhauser, Klubobmann der Grünen Innere Stadt, unterstützt die Idee und hofft auf einen einstimmigen Beschluss zur Umbenennung des Parks und zur Absetzung der Statue.
Hermann Gmeiner, der 1986 verstorben ist, gründete 1949 die Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf, bekannt für seine humanitären Leistungen und den Schutz von benachteiligten Kindern. Allerdings sieht sich die Organisation seit September 2023 mit massivem Druck konfrontiert, seit neue Vorwürfe über sexuellen Missbrauch und physische Gewalt gegen mindestens acht minderjährige Burschen zwischen den 1950er und 1980er Jahren ans Licht gekommen sind. Diese Vorfälle betreffen vier Standorte in Österreich und wurden durch glaubhafte Schilderungen unterstützt, obwohl nicht alle Anschuldigungen durch Gerichtsurteile belegt sind. Diese Missstände waren seit 2013 intern bekannt, sind jedoch erst jetzt öffentlich geworden.
Aufarbeitung der Vorwürfe
Die neue Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, Annemarie Schlack, hat die Verantwortung für die Aufarbeitung der komplexen Geschichte der Organisation übernommen und wird für ihren offensiven Ansatz gelobt. Unter ihrer Leitung wird ein umfassender Organisationsentwicklungsprozess mit dem Titel „SOS-Kinderdorf neu“ bis Ende 2026 durchgeführt. Dies beinhaltet die Neuordnung von Strukturen und Entscheidungswegen sowie die Einsetzung eines Sonderbeauftragten für die Aufarbeitung, der eng mit einer Reformkommission zusammenarbeitet. Diese Maßnahmen sollen helfen, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Schlack sprach von einem „Bruch mit einer idealisierten Geschichte“ und einer Notwendigkeit für einen umfassenden Neustart der Organisation.
Die Vorwürfe, die durch die Wochenzeitung Falter erstmals umfassend dargelegt wurden, haben auch internationale Dimensionen, da es in deutschen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen ähnliche Vorkommnisse gab. Eine unabhängige Kommission berichtete 2022 von 189 Meldungen zu Übergriffen in der Zeit von 1976 bis Mitte 2023. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass das SOS-Kinderdorf, das heute etwa 1.800 Kinder und Jugendliche betreut und größtenteils durch öffentliche Mittel finanziert wird, sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet.
Die SOS-Kinderdorf-Organisation hat erklärt, dass alle relevanten Dokumente übergeben werden und kann jede neue Meldung offen dokumentieren und bearbeiten. Betroffenen steht es frei, sich vertraulich an Ombudsstellen oder an die Reformkommission zu wenden, um ihre Erlebnisse zu teilen und Hilfe zu erhalten.