Am 3. Oktober 2025 führte Russland einen massiven Luftangriff auf ukrainische Gasanlagen durch, der als der bisher schwerste Angriff auf die Infrastruktur des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz bezeichnet wird. In den Regionen Charkiw und Poltawa wurden insgesamt 35 Raketen und 60 Drohnen gegen die Einrichtungen eingesetzt. Der Chef von Naftogaz, Serhij Korezkyj, äußerte sich besorgt über die umfangreichen Schäden und stellte fest, dass es keinen militärischen Grund für die Angriffe gebe; vielmehr sollten diese die Energieversorgung in der Ukraine stören, wie vienna.at berichtet.
Der Angriff hat bereits mehr als 8000 Verbraucher in der Region Poltawa ohne Strom gelassen, während der größte private Energieversorger, DTEK, in mehreren Standorten den Betrieb einstellen musste. Zusätzlich plant die Ukraine, bis Mitte Oktober 13,2 Milliarden Kubikmeter Gas einzulagern, um sich auf die kommende Heizperiode vorzubereiten.
Schäden und Verletzte
Die Zerstörungen sind nicht nur auf Charkiw und Poltawa beschränkt; auch in den Gebieten Sumy, Dnipropetrowsk und Odessa wurden Schäden an Energieanlagen festgestellt. Insgesamt wurden in dieser Angriffsoperation nahezu 400 Drohnen und 35 Raketen unterschiedlicher Typen eingesetzt. Berichten zufolge wurden 18 Raketen und 78 Kampfdrohnen auf 15 Ziele abgeworfen, während weitere Trümmerstellen in sechs zusätzlichen Orten registriert wurden. In der Region Charkiw wurden drei Menschen verletzt und mehrere Schulen mussten auf Fernunterricht umstellen, da die Sicherheitslage angespannt ist. In der Gemeinde Nowa Wodolaha verendeten sogar 13.000 Schweine in einer Mastanlage aufgrund eines durch die Angriffe verursachten Brandes, wie nau.ch berichtet.
Zusätzlich wurde ein Drohnenangriff des ukrainischen Militärs gemeldet, der die Stromversorgung des Atomkraftwerks Tschernobyl für drei Stunden unterbrach. In Russland wiederum kam es zu Berichten über ukrainische Drohnenangriffe auf Industrieanlagen, wobei in der Region Orenburg ein Versuch gemeldet wurde, ohne dass es Verletzte oder nennenswerte Störungen gab.
Strategische Angriffe und Folgen
Russlands Luftangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur sind ein Teil einer umfassenderen Strategie, die darauf abzielt, die Energieversorgung der Ukraine während des bevorstehenden vierten Kriegswinters zu destabilisieren. Energieminister Herman Haluschtschenko erklärte, dass die Angriffe die sechste große Angriffswell seit März darstellen. Erforderliche Reparaturarbeiten könnten erhebliche Mittel kosten und der Beschuss von Energieobjekten werde voraussichtlich fortgesetzt, wie tagesschau.de berichtet.
Insgesamt wurden in den letzten zwei Jahren Stromkapazitäten von etwa 8000 Megawatt vernichtet, was zu flächendeckenden Stromausfällen führte. Der Staatliche Energienetzbetreiber Urkenergo wies auf die wiederholten Angriffe hin, die auch wesentliche Heizkraftwerke selbst getroffen haben. Diese Angriffe haben die Ukraine stark getroffen und sie mit einer Herausforderung konfrontiert, die mit der fortdauernden Invasion Russlands seit mehr als dreieinhalb Jahren einhergeht.