Die Digitalisierung im Automobilsektor schreitet rasch voran und bringt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich. Laut einem Bericht des ÖAMTC fordert Experte Kerbl von den Autoherstellern, dass digitale Dienste, die für die sichere Nutzung eines Fahrzeugs wichtig sind, kostenfrei über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs bereitgestellt werden sollten. Dies schließt essentielle Sicherheitsupdates und Diagnoseinformationen ein. Darüber hinaus soll es bezüglich Komfortfunktionen, wie etwa Karten-Updates für Navigationssysteme, volle Transparenz hinsichtlich der Preise und des Leistungsumfangs geben.
Ein zentrales Anliegen ist es, dass Nutzer nicht erst eine Registrierung vornehmen müssen, um die Preise nach Ablauf einer kostenlosen Testphase zu erfahren. Diese Transparenz ist besonders wichtig, da die zunehmende Digitalisierung auch den Wertverlust eines Fahrzeugs bedeutet. Weitere Kritikpunkte betreffen die Übertragbarkeit von digitalen Abos beim Fahrzeugwechsel sowie die Notwendigkeit, alle Verbindungen zurückzusetzen, wenn ein Fahrzeug verkauft wird. Der ÖAMTC rät Gebrauchtwagenkäufern, darauf zu achten, dass alle vorherigen Verbindungen getrennt sind, um unbefugten Zugriff auf persönliche Daten und Funktionen des Fahrzeugs zu verhindern.
IT-Sicherheit in der Automobilindustrie
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt, dass die digitalen Angriffsflächen im Automobilsektor rasant wachsen. Vizepräsident Thomas Caspers betont, dass Autos zunehmend als rollende Computer betrachtet werden, was neue Herausforderungen in der IT-Sicherheit mit sich bringt. In einem Bericht zur Cybersicherheit im Straßenverkehr, der kürzlich vor der Automesse IAA in München veröffentlicht wurde, wird hervorgehoben, dass Hersteller die IT-Sicherheit bereits in der Entwicklungsphase ihrer Produkte berücksichtigen müssen – ein Konzept, das als „Security by Design and Default“ bekannt ist.
Die Integration von digitalen Diensten, Over-the-Air-Updates und vernetzten Steuergeräten verändert die Fahrzeugarchitekturen erheblich. Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Assistenzsystemen und automatisierten Fahrfunktionen nimmt zu. Laut BSI stellt die Komplexität der Fahrzeuge eine dauerhafte Herausforderung dar, wenn es um die Absicherung des Automobil-Ökosystems geht. Zwischen Februar 2024 und März 2025 hat das BSI insgesamt 107 Meldungen zu IT-Schwachstellen und Vorfällen im Automobilbereich ausgewertet.
Aktuelle Bedrohungen und Herausforderungen
Die Analyse zeigt, dass die meisten Sicherheitslücken physischen Zugriff oder räumliche Nähe (zum Beispiel über Bluetooth oder WLAN) erforderten. 18 Meldungen betrafen Schwachstellen, die über das Internet zugänglich waren. Dennoch ist die aktive Ausnutzung durch Kriminelle derzeit noch selten. Die digitale Vernetzung ermöglicht es den Herstellern jedoch, Zugriff auf Informationen und Funktionen zu erhalten, was zusätzliche Bedrohungen mit sich bringt.
Kritische Punkte sind auch die komplizierten Lieferketten, die in aktuellen geopolitischen Konflikten zusätzliche Gefahren darstellen. Neuartige Angriffsmöglichkeiten auf KI-Komponenten und Fahrzeugsensorik müssen zunehmend in Betracht gezogen werden. Sicherheitsforscher haben beispielsweise Schwachstellen in einem tschechischen Infotainment-System entdeckt, die es ermöglichten, Malware über Bluetooth zu installieren. Schätzungen zufolge waren etwa 1,4 Millionen Fahrzeuge betroffen.
Daneben ist die Migration auf quantenresistente kryptografische Verfahren eine zentrale Aufgabe, insbesondere aufgrund der langen Lebenszyklen von Fahrzeugen. Infotainment-Systeme sind beliebte Ziele für Angriffe, da sie viele Schnittstellen bieten. Die EU-Richtlinie NIS2 bringt zudem neue gesetzliche Auflagen für Unternehmen in der Automobilbranche mit sich, die eine Registrierungspflicht und die Meldung erheblicher Sicherheitsvorfälle umfassen.
Ein Mentalitätswandel in der Branche ist notwendig, um das Vertrauen in digitale Dienste zu stärken und Cybersicherheit als entscheidendes Qualitätsmerkmal zu betrachten. Die Sicherheitsanforderungen an Fahrzeuge werden in Zukunft weiter steigen, und es liegt an den Herstellern, sich dieser Herausforderung proaktiv zu stellen.
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