Im Skispringen sorgt ein brisanter Skandal für Aufregung. Mika Vermeulen, ein ehemaliger Nordischer Kombinierer, hat im Podcast „Skirious Problems“ mutmaßliche Betrugspraktiken aus seiner Zeit im Skispringen offengelegt. Vermeulen berichtet, dass er von älteren Athleten gedrängt wurde, seinen Penis mit Klebeband zu fixieren, um das Schrittmaß zu verringern. Diese manipulative Technik erhöht den Luftwiderstand und kann zu signifikanten Vorteilen beim Springen führen. „Es ist vergleichbar mit Doping“, sagt er, wobei er betont, dass seine Aussagen auf Erinnerungen basieren und er keine aktuellen Erkenntnisse über die Praktiken im Sport hat, da er zur Saison 2018/19 zum Langlauf gewechselt ist.

Vermeulen erhebt harsche Vorwürfe gegen die Kultur im Skispringen, wo er davon überzeugt ist, dass alle Athleten, die disqualifiziert werden, absichtlich betrügen. „Wir haben eine gefährliche Kultur, wenn Betrug nicht streng bestraft wird“, warnt er. Der Weltverband FIS hat in Reaktion auf einen Skandal um manipulierte Skisprunganzüge die Kontrollen verschärft. Neu eingeführte Regeln sehen ein System mit Gelben und Roten Karten vor. Eine Gelbe Karte wird beispielsweise zur ersten Disqualifikation eines Athleten ausgestellt, während nach dem zweiten Vergehen eine Sperre von zwei Springen folgt. Vermeulen kritisiert dieses System und fordert zeitliche Sperren für Betrüger.

Manipulationen und Regelverstöße

Die brisanten Aussagen von Vermeulen kommen in einer Zeit, in der das Thema Manipulationen im Skispringen zunehmende Aufmerksamkeit erhält. In dieser Saison gab es bereits mehrere Disqualifikationen, wie den Fall des Mitfavoriten Timi Zajc, der wegen eines zu kurzen Sprunganzugs vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde. Zajc hatte beim ersten Springen in Oberstdorf den zweiten Platz belegt, bevor er wegen Regelverstößen disqualifiziert wurde. Österreichs Sportdirektor Mario Stecher zeigte sich über diese Entscheidung verärgert.

Vermeulen berichtet weiter, dass einige Athleten Plastilin in ihre Unterwäsche stopften, um beim Sprung aerodynamische Vorteile zu erlangen. Diese Enthüllungen fallen in eine Phase erhöhter Sensibilität im Skisprungzirkus, nachdem der Anzugskandal bei der WM in Trondheim im März 2023 aufgedeckt wurde. Während des Skandals gaben norwegische Springer zu, gegen die Vorschriften verstoßen zu haben, und Norwegens ehemaliger Trainer Magnus Brevig gestand Manipulationen an den Anzügen ein.

Umstrittene Regelungen und ihre Konsequenzen

Das aktuelle Regelwerk des Ski-Weltverbands FIS legt detailliert fest, wie Sprunganzüge beschaffen sein müssen. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 wurden mehrere Springerinnen wegen irregulärer Anzüge disqualifiziert, was Kritik an den Kontrollen hervorrief. Halvor Egner Granerud, der Tourneesieger 2022/23, wurde in Garmisch-Partenkirchen wegen eines zu langen Anzugs disqualifiziert. Auch Anna Odine Strøm geriet aufgrund von Regelverstößen in die Schlagzeilen, nachdem in ihren Socken eine unerlaubte zweite Sohle gefunden wurde.

Die Diskussionen über Betrug und die Zuverlässigkeit der Kontrollen werden auch nach der Vierschanzentournee weitergeführt, in der die Athleten um die Gesamtwertung kämpfen. Der Tourneesieger wird durch die Addition der Punkte aus den einzelnen Springen ermittelt, was die Komplexität der Wettkämpfe und die damit verbundenen Herausforderungen für die Regelhüter verdeutlicht.

Die jüngsten Enthüllungen von Vermeulen werfen ein grelles Licht auf die dunklen Seiten des Skispringens. Angesichts der wiederholten Vorwürfe von Betrug und Manipulation bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die neuen Regeln und die Reaktionen der FIS auf diese wertvollen Einblicke haben werden.