Siemens und Nvidia haben ihre strategische Partnerschaft zur Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in industrielle Prozesse erweitert. Diese Ankündigung erfolgte zur Eröffnung der Technikmesse CES in Las Vegas durch die Chefs beider Unternehmen, Roland Busch von Siemens und Jensen Huang von Nvidia. Das Hauptziel dieser Kooperation ist es, KI stärker in die physische Realität zu integrieren, und zwar über Simulationen und Designveränderungen hinaus. Dabei steht die Entwicklung eines KI-beschleunigten Portfolios für Design, Engineering, Fertigung, Betrieb und Lieferketten im Fokus, wie Vienna.at berichtet.
Ein zentrales Element dieser Partnerschaft ist der „Digital Twin Composer“, ein Tool zur Erstellung physikalisch korrekter, virtueller Abbilder von Fabriken und Produkten. Ingenieure können mit diesem Tool Fabriken in Echtzeit simulieren, Roboter virtuell trainieren und potenzielle Probleme schon vor dem Bau der realen Fabriken identifizieren. Siemens-CEO Busch hebt hervor, dass KI bei der Konstruktion von Zügen oder Autos konkrete Designoptimierungsvorschläge liefern kann. Für die Umsetzung dieser Technologien bringt Siemens sein Fachwissen zu industriellen Prozessen sowie Automatisierungs-Hardware und Software ein, während Nvidia die notwendige KI-Infrastruktur und Simulationsplattform bereitstellt.
Das Konzept der Digital Twins
Eine Schlüsselinnovation innerhalb dieser Partnerschaft sind die sogenannten digitalen Zwillinge. Diese digitalen Abbilder von physischen Objekten oder Prozessen ermöglichen eine hohe Praktikabilität innerhalb der industriellen Fertigung. Gemäß den Informationen von Fraunhofer IKS können digitale Zwillinge dank einer Asset Administration Shell (AAS) flexibel in Produktionslinien integriert werden. Diese technologieunabhängige Spezifikation erlaubt eine Echtzeit-Überwachung und -Steuerung des Gerätezustands über eine einheitliche Schnittstelle.
Die AAS bietet unterschiedliche Teilmodelle, darunter das digitale Typenschild, das relevante Informationen wie den nächsten Wartungstermin anzeigt. Dies wird besonders relevant, da Siemens sein Simulationsportfolio durch die Integration von NVIDIA CUDA-X-Bibliotheken und KI-Physikmodellen erweitern möchte. Dabei werden die Technologien beider Unternehmen kombiniert, um Abläufe zu optimieren und neue Standards in der Fertigungsindustrie zu setzen.
Künftige Entwicklungen und Ziele
Bis Ende 2026 sollen die ersten KI-gesteuerten adaptiven Produktionsstandorte in Erlangen eröffnet werden. Diese Standorte werden auf ein „KI-Gehirn“ setzen, das kontinuierlich digitale Zwillinge analysiert und Produktionsprozesse optimiert. Erste Kunden, die die neuen Technologien evaluieren, sind Unternehmen wie Foxconn, HD Hyundai, KION Group und PepsiCo. Siemens plant, seine Innovationskraft in der KI-unterstützten Fertigung weiter auszubauen.
Der Umsatz von Siemens lag im Geschäftsjahr 2025 bei 78,9 Milliarden Euro, mit einem Gewinn nach Steuern von 10,4 Milliarden Euro, und das Unternehmen beschäftigte weltweit rund 318.000 Menschen zum 30. September 2025. Mit dieser Massnahmen und entwickelnden Technologien, positioniert sich Siemens als führender Anbieter für industrielle KI und digitalisierte Produktion, und bestätigt damit seine Rolle in der vierten industriellen Revolution.