Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) stellt eine alarmierende Gesundheits- und Menschenrechtskrise dar, die weltweit mehr als 230 Millionen Frauen betrifft. Diese Zahl, die um 30 Millionen seit 2016 gestiegen ist, verdeutlicht die Dringlichkeit der Situation. Laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist die Durchführung von Genitalverstümmelungen durch medizinische Fachkräfte besorgniserregend gestiegen; bereits jede vierte Verstümmelung erfolgt in einem medizinischen Kontext, wie exxpress.at berichtet.
Diese Praxis, die in mindestens 94 Ländern dokumentiert ist, wird jedoch nur von 58 Staaten ausdrücklich verboten. Vor allem in Europa leben rund 600.000 Mädchen und Frauen, die mit den physischen und psychischen Folgen dieser Menschenrechtsverletzung zu kämpfen haben. Die DSW warnt, dass eine verstärkte Medikalisierung der Verstümmelung die gesellschaftliche Akzeptanz dieser grausamen Praktiken fördern könnte.
Ein besorgniserregender Trend
Angela Bähr von der DSW hebt hervor, dass medizinisch durchgeführte Verstümmelungen oft schwerwiegendere Verletzungen zur Folge haben können. Mögliche Folgen der Verstümmelung sind Schmerzen, Infektionen, Probleme beim Wasserlassen, Menstruationsprobleme, Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs sowie erhöhte Risiken für Geburtskomplikationen und psychische Traumata. Die Presseportal weist darauf hin, dass viele dieser Schäden lebenslang bestehen bleiben können.
Die Vereinten Nationen haben das Ziel, bis 2030 die weibliche Genitalverstümmelung zu beenden. Trotz dieses Vorhabens sind jährlich rund 4,4 Millionen Mädchen von der Bedrohung betroffen, was etwa 1200 täglich entspricht. Ohne verstärkte Bemühungen wird geschätzt, dass diese Zahl bis 2030 auf 4,6 Millionen ansteigen könnte.
Handlungsbedarf und Aufklärung
Die DSW erklärt, dass Präventionsprogramme in vielen betroffenen Ländern chronisch unterfinanziert sind. Insbesondere Deutschland wird aufgefordert, sich stärker für die Bekämpfung von FGM einzusetzen und mehr in Aufklärungsarbeit zu investieren. Laut Frauenrechte.de ist FGM nicht nur eine schwere Menschenrechtsverletzung, sondern verstößt auch gegen das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit und wird als Kindesmisshandlung angesehen.
Die alarmierenden Zahlen zeigen, dass es dringend erforderlich ist, das Bewusstsein für die Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung zu schärfen und umfassende Aufklärungsmaßnahmen in Schulen und Gemeinden zu initiieren. Organisationen wie TERRE DES FEMMES setzen sich aktiv für die Aufklärung und die Unterbindung von FGM ein. Der Weg zu einem Ende dieser grausamen Praxis erfordert jedoch gemeinschaftliche Anstrengungen und ein starkes Engagement von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und der Gesellschaft insgesamt.