Archäologen haben in der Casa del Tiaso in Pompeji ein monumentales Steintreppenhaus entdeckt, das den Blick auf die antike Stadt entscheidend verändert. Diese bedeutende Entdeckung legt nahe, dass die Villa über einen bisher vernachlässigten mehrstöckigen Turm verfügt, der möglicherweise als Statussymbol diente. Der Fund wurde maßgeblich durch moderne digitale Methoden ermöglicht, die den Einsatz von Laserscans (LiDAR), Drohnenaufnahmen und Fotogrammetrie umfassen. Nach Angaben von vol.at handelte es sich bei der Casa del Tiaso vermutlich um den Wohnsitz einer einflussreichen Familie, die mit großen Festräumen, einer Badeanlage und einem Gartenhof ausgestattet war.
An der Spitze des neu entdeckten Steintreppenhauses fanden die Forscher Spuren eines hölzernen Treppenlaufs, was den Schluss nahelegt, dass es möglicherweise eine dritte Etage gab. Diese obere Struktur könnte Teil eines Turms gewesen sein, der nicht nur für den Blick über die Stadt und die umgebende Bucht gedacht war, sondern auch als repräsentatives Element diente, das beispielsweise im Rahmen von gesellschaftlichen Anlässen genutzt wurde. Türme waren in den römischen Villen außerhalb der Städte verbreitet und galten als luxuriöse Konstruktionen.
Digitale Archäologie und neue Hypothesen
Die Forschung zur Casa del Tiaso ist Teil eines umfassenderen Projekts, das in Zusammenarbeit zwischen dem Archäologischen Park Pompeji und der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelt wurde. Die Hypothese, dass große Residenzen in Pompeji eigene Türme besaßen, wurde durch digitale Archäologie untermauert. Diese neue Perspektive könnte das Verständnis des Lebens in der antiken Stadt erheblich bereichern. Laut den Archäologen, die von Gabriel Zuchtriegel und Prof. Susanne Muth geleitet werden, könnte das Steintreppenhaus in der Casa del Tiaso tatsächlich zu einem Turm geführt haben.
Literarische Quellen und künstlerische Darstellungen belegen die Existenz von Türmen in Pompeianischen Villen, was diese Entdeckung umso bedeutsamer macht. Das Projekt „Pompeii RESET“ nutzt digitale Techniken zur detaillierten Dokumentation und Rekonstruktion von Gebäude-Architekturen, um das verlorene Pompeji wiederherzustellen und somit das historische Verständnis zu verbessern. In der ersten Phase des Projekts wird an der Erstellung eines 3D-Modells der erhaltenen Gebäudeteile gearbeitet, gefolgt von hypothetischen Rekonstruktionen.
Fortlaufende Forschungen und neue Erkenntnisse
Die Ergebnisse der Ausgrabungen in der Casa del Tiaso zeigen zudem, dass auch wohlhabende Bürger Obergeschosse in ihren Wohnstätten nutzten, was frühere Annahmen über die sozialstrukturellen Gegebenheiten in Pompeji infrage stellt. Nach dem Vesuvausbruch im Jahr 79 n. Chr. kehrten viele Menschen in die Stadt zurück und bewohnten die erhaltenen Erdgeschosse. Ein Drittel der antiken Stadt bleibt jedoch weiterhin unter der Asche verborgen, was die Potenziale für zukünftige Entdeckungen enorm erhöht.
Das internationale Forschungsteam plant, weitere Gebäude in Pompeji digital zu erfassen, um umfassende Erkenntnisse über die städtische Struktur und die kulturelle Identität der Stadt zu gewinnen. Die digitale Dokumentation umfasst auch neue Ausgrabungen in der Casa del Fedra, Casa della Caccia Antica und der Basilica. Dabei kommen moderne Technologien zum Einsatz, wie Drohnen zur Datenakquise und spezielle Scanning-Methoden, die eine präzise Rekonstruktion ermöglichen. Weitere Kampagnen zur Dokumentation sind bereits für April 2025 geplant, um die Ergebnisse der laufenden Arbeiten weiterzuverfolgen und das Wissen über Pompeji erheblich zu erweitern.