Die neueste Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt erfreuliche Entwicklungen im Kreditgeschäft österreichischer Unternehmen. Laut den Ergebnissen, die zwischen Mitte Dezember 2025 und Mitte Jänner 2026 erfasst wurden, stieg die Kreditnachfrage erstmals seit drei Jahren im dritten und vierten Quartal 2025. Dies stellt eine Trendwende dar, nachdem die Nachfrage zuvor seit dem dritten Quartal 2022 in einer Phase konjunktueller Schwäche konstant rückläufig war, wie leadersnet.at berichtet.

Die Umfrageergebnisse geben den Banken Anlass zur Hoffnung, da sie für das erste Quartal 2026 mit einer weiteren Steigerung der Kreditnachfrage rechnen. OeNB-Gouverneur Martin Kocher beschreibt die aktuelle Entwicklung als positives Signal. Dieses Comeback wird maßgeblich durch gesunkene Zinsen, einen höheren Bedarf an Betriebsmitteln und erste Anzeichen einer wieder anziehenden Investitionstätigkeit unterstützt.

Auswirkungen der Zinssenkungen

Besonders auffällig ist der Anstieg der Nachfrage nach Wohnbaukrediten. Seit Jänner 2025 vergaben Banken durchschnittlich etwa 1,4 Milliarden Euro pro Monat, was fast einem Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Ein Haupttreiber dieser Entwicklung sind die gesunkenen Zinsen, die durch die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) realisiert wurden. Der Leitzins fiel zwischen Juni 2024 und Juni 2025 von vier auf zwei Prozent, was Kredite erheblich günstiger machte. Diese niedrigen Zinsen haben viele private Haushalte veranlasst, Kredite für Wohnbau nachzufragen, wird in der umfangreichen OeNB-Umfrage erläutert, die regelmäßig rund 160 führende Banken im Euroraum befragt (oenb.at.

Trotz dieser positiven Entwicklung zeigen sich jedoch sektorale Unterschiede. In der energieintensiven Industrie und der Automobilbranche ist die Kreditnachfrage im zweiten Halbjahr 2025 rückläufig. Hohe Energiepreise und strukturelle Herausforderungen in diesen Sektoren tragen zu dieser negativen Entwicklung bei.

Kreditvergabepolitik und Risikoanalyse

Die Risikoeinschätzung der Banken bleibt ein zentrales Thema bei der Kreditvergabe. Seit Anfang 2022 haben Banken ihre Kreditvergabestandards, insbesondere für Immobilienunternehmen, verschärft. Während große Unternehmen eine rückläufige Kreditnachfrage verzeichnen, bleibt die Nachfrage bei kleinen und mittleren Unternehmen stabil. Banken zeigen sich jedoch nach wie vor vorsichtig optimistisch für die künftige Entwicklung, insbesondere in Bezug auf langfristige Kredite. Dies könnte sich positiv auf das allgemeine Investitionsklima auswirken, welches durch Unsicherheiten, etwa in der US-Zollpolitik, belastet wird, wie in einer früheren Analyse hervorgehoben wurde (finanzen.at.

Insgesamt stehen die Bankensituation und die Wirtschaft im Spannungsfeld zwischen Erholung und Unsicherheiten. Der positive Trend bei der Kreditnachfrage könnte somit einen Wendepunkt markieren, der in der kommenden Zeit genauer beobachtet werden wird.