Um den enorm gestiegenen Energiebedarf zu decken, der mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) einhergeht, hat Google eine wegweisende Entscheidung getroffen. Das Unternehmen hat einen Vertrag mit Kairos Power unterzeichnet – dem ersten dieser Art weltweit – um Mini-Atomkraftwerke zu bauen. Der erste Reaktor soll 2030 in Betrieb gehen, gefolgt von weiteren bis 2035. Dies sind bahnbrechende Neuigkeiten, die das Interesse und die Bedenken der Öffentlichkeit an Atomkraft sowie technologischen Innovationen auf höchst aktuelle Weise vereinen.
Der Anstieg des Energieverbrauchs durch KI gehört zu den Schattenseiten des technologischen Fortschritts. Die effektive und beständige Energieversorgung stellt eine Herausforderung dar, die nicht nur für Google, sondern für die gesamte Tech-Branche von Bedeutung ist. Insbesondere die Rechenzentren, die für KI-Operationen unerlässlich sind, benötigen in nie dagewesenem Maße Strom. So verbraucht eine Anfrage bei einem KI-System wie ChatGPT bereits das Zehnfache einer normalen Google-Suche.
Die Beweggründe für den Schritt
Google hat sich zur Klimaneutralität verpflichtet: Bis 2030 möchte das Unternehmen seinen CO2-Ausstoß auf null reduzieren. Allerdings sind die aktuellen CO2-Emissionen erneut angestiegen, was die Dringlichkeit dieser Entscheidung verstärkt. Michael Terrell, der Senior Director für Energie und Klima bei Google, sieht in der Kernenergie einen Schlüssel zur Bereitstellung kontinuierlicher, sauberer Energie. „Wir sind überzeugt, dass Kernenergie eine zentrale Rolle spielt, um unseren Bedarf nachhaltig zu decken“, erklärte er.
Ein weiterer Aspekt sind die Herausforderungen, die mit der steigenden Zahl von Rechenzentren einhergehen. Prognosen des Electric Power Research Institute zeigen, dass diese Zentren bis Ende des Jahrzehnts bis zu neun Prozent der gesamten Stromproduktion in den USA konsumieren könnten. Goldman Sachs geht sogar davon aus, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 verdreifachen könnte. Dies ist eine alarmierende Entwicklung, die Maßnahmen erfordert.
Kairos Power: Ein neuer Akteur im Energiemarkt
Kairos Power, ein Start-up mit Sitz in Kalifornien, stellt sich als innovativer Partner in dieser Energie-Revolution auf. Das Unternehmen entwickelt sogenannte Flüssigsalzreaktoren, die zur „vierten Generation“ der Kernreaktortechnologie gehören. Anders als herkömmliche Reaktoren, die Wasser zur Kühlung verwenden, setzen diese auf flüssige Fluorid-Salze. Befürworter argumentieren, dass diese Technologiemethode sicherer und effizienter sei, weil das Salz bei einem Unfall verhärtet und eine Kernschmelze unwahrscheinlicher macht.
Wichtig zu erwähnen ist, dass Kairos bislang keinen Reaktor in Betrieb hat. Das geplante Mini-Kraftwerk von Google wäre das erste seiner Art, während Kairos erst kürzlich Genehmigungen für einen Testreaktor in Tennessee erhalten hat. Dies sind aufregende, aber auch riskante erste Schritte in unbekannte Gewässer.
Ein zentrales Argument im Diskurs über die Kernenergie ist die Frage der Nachhaltigkeit. Die Entsorgung von Atommüll bleibt ein ungelöstes globales Problem. Während bei der Stromerzeugung durch Kernfusion keine direkten CO2-Emissionen erzeugt werden, entfalten sich Umwelt- und Sicherheitsprobleme über die gesamte Wertschöpfungskette, die nicht ignoriert werden dürfen.
Google ist jedoch nicht das einzige bestehende große Techunternehmen, das sich auf Atomkraft stützt. Auch andere Akteure wie Amazon und Microsoft sind auf diesen Zug aufgesprungen, um ihrer Nachfrage nach Energie gerecht zu werden und ihre Klimaziele zu erreichen. Microsoft hat kürzlich bekannt gegeben, dass ein stillgelegter Reaktor in Three Mile Island wieder in Betrieb genommen werden soll, um Datenzentren zu versorgen.
Es gibt allerdings alternative Ansätze, die in der Branche diskutiert werden. Microsoft investiert in eine geothermische Anlage in Kenia, die rein durch erneuerbare Energien betrieben werden soll. Das Start-up Exowatt entwickelt innovative Solarsysteme, die Investoren wie Sam Altman anziehen. Diese Lösungen könnten eine weniger komplexe und potenziell gefährlichere Alternative zur Atomkraft bieten.
In der aktuellen Debatte um Energiegewinnung, Klimaschutz und technologische Entwicklung wird deutlich, dass sowohl technologische Effizienz als auch nachhaltige Praktiken unerlässlich sind. Die Entscheidung von Google wird mit Spannung verfolgt, und es bleibt abzuwarten, wie sich diese Partnerschaft mit Kairos Power entwickeln wird und welche anderen Unternehmen ähnliche Schritte in Erwägung ziehen.
Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem aktuellen Bericht auf www.tagesschau.de.
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