Am 17. Jänner 2026 wurde in Asunción ein bedeutendes Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) unterzeichnet. Dieses Abkommen soll eine der größten Freihandelszonen der Welt schaffen, die über 700 Millionen Einwohner umfasst und eine gemeinsame Wirtschaftsleistung von rund 22 Billionen US-Dollar (19 Billionen Euro) erzielt. Die EU-Kommission betrachtet diesen Abschluss als wichtigen Meilenstein in den Beziehungen zu den Mercosur-Staaten, insbesondere in einer Zeit, in der regelbasierte Zusammenarbeit weltweit abnimmt. Dennoch hängt das Inkrafttreten des Abkommens vom EU-Parlament ab, da zuvor die entsprechenden Ratsbeschlüsse angenommen werden müssen.

Die Unterzeichnung des Abkommens folgt auf eine lange Verhandlungsphase, die bereits im Jahr 1999 begonnen hat. Diese war durch zahlreiche Widerstände in der EU verzögert worden, insbesondere aufgrund von Bedenken hinsichtlich landwirtschaftlicher, umwelt- und sozialer Standards. Kritiker, darunter auch politische Stimmen aus Frankreich, Polen und Österreich, warnen vor einem möglichen Schaden für die eigene Landwirtschaft, und es gab Proteste, wie etwa in Frankreich, wo Landwirte gegen das Abkommen mobilisierten.

Reaktionen der Landwirtschaft

Die Reaktionen auf das Abkommen sind ambivalent. In Deutschland äußern Landwirte, wie Michael Hüllen, ihre Besorgnis über die Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft. Sie befürchten, dass die Öffnung für Importe von Fleisch und Zucker, vor allem aus Südamerika, zu einem Preisverfall führen könnte. Bernd Kockerols, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen, hebt hervor, dass ungerechte Wettbewerbsbedingungen für die heimischen Bauern entstehen. Die Proteste, die in Brüssel vor dem EU-Parlament stattfanden, wurden von über 150 Traktoren begleitet und führten teilweise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Paul Christian Küskens, ein Landwirt aus Niederkrüchten, kritisiert, dass die Importe aus den Mercosur-Staaten nicht den strengen EU-Standards entsprechen. Experten wie Ulrich Ueckerseifer von WDR prognostizieren außerdem, dass Produkte wie argentinisches Rumpsteak, Zucker und Kaffee künftig zu günstigeren Preisen in Deutschland erhältlich sein werden, was die heimischen Erzeuger zusätzlich unter Druck setzt. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg bringt Bedenken hinsichtlich der Produktionsbedingungen in den Mercosur-Staaten vor, besonders in Bezug auf den Einsatz von Gentechnik und Wachstumshormonen sowie den Umweltschutz.

Geopolitische Dimension

Die deutsche Bundesregierung unterstützt das Abkommen als geopolitisches Signal und sieht es als Chance zur Sicherung neuer Märkte. Die Industrie, insbesondere die Autozulieferer aus Österreich, schaut optimistisch auf den Abschluss, während sich der Deutsche Bauernverband vehement gegen das Abkommen auspricht und faire Handelsabkommen fordert. Politische Parteien, wie die AfD und die Linke, äußern ebenfalls Kritik an dem Abkommen und warnen vor Marktverschiebungen, die Druck auf die Landwirte ausüben könnten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Mercosur-Abkommen sowohl als wirtschaftliche Chance als auch als Risiko für die heimische Landwirtschaft angesehen wird. Während die deutsche Wirtschaft Erleichterung über die Einigung signalisierte, bleibt die Unsicherheit unter den Landwirten hoch, die um ihre Wettbewerbsfähigkeit fürchten.

Für weitere Informationen lesen Sie die Berichte bei vol.at, WDR und Tagesschau.