Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Mittwoch seinen Finanzminister Christian Lindner entlassen, was die Regierung an den Rand des Zusammenbruchs bringt.
Entlassung und politische Verhandlungen
In einer Ansprache im Fernsehen erklärte Scholz, dass die Entlassung notwendig sei, um „Schaden von unserem Land abzuwenden.“ Diese Entscheidung folgte auf Tage politischer Verhandlungen zwischen den Schlüsselakteuren der Regierungsoffensive der „Ampel-Koalition“, zu der Scholz von der Sozialdemokratischen Partei, Lindner von der Freien Demokratischen Partei und Robert Habeck von den Grünen gehören.
Reaktionen der Koalitionspartner
Nach der Ankündigung, die inmitten von Sorgen über eine mögliche Rückkehr einer Trump-Administration in den USA fiel, gab Lindners Freie Demokratische Partei bekannt, dass sie die Koalition verlassen habe. Habeck erklärte jedoch, dass die Grünen weiterhin Teil der Regierung bleiben würden.
Vertrauensvotum und kommende Wahlen
Scholz kündigte an, dass er am 15. Jänner ein Vertrauensvotum ansetzen werde, das möglicherweise vor Ende März nächsten Jahres zu Neuwahlen führen könnte. Er erklärte, dass er bis zu diesem Zeitpunkt im Amt bleiben und die wichtigsten Gesetzesentwürfe vorantreiben wolle. „Die Wirtschaft darf nicht auf die Wahlen warten“, sagte Scholz, und deutete an, dass er mit dem Oppositionsführer Friedrich Merz von der Christlich Demokratischen Union (CDU) über Gesetze in Bezug auf Wirtschaft und Verteidigung sprechen werde.
Die „Ampel-Krise“
Der Vorfall wird als Teil der sogenannten „Ampel-Krise“ betrachtet, die durch unterschiedliche Ansichten über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands unter den drei Regierungsparteien ausgelöst wurde. Vor seiner Entlassung hatte Lindner einen 18-seitigen Wirtschaftsbericht veröffentlicht, der als „Wende in der deutschen Wirtschaft“ betitelt war. In den deutschen Medien wurde er als Scheidungsdokument der Koalition bezeichnet, da sein Inhalt in starkem Gegensatz zu den Positionen seiner Partner steht.
Inhalt des Wirtschaftsberichts
In dem detaillierten Dokument, das Steuererleichterungen fordert, erklärte Lindner, dass „ein wirtschaftlicher Aufbruch mit einer teils grundlegenden Überarbeitung wichtiger politischer Entscheidungen notwendig ist, um Schaden für Deutschland als Wirtschaftsstandort abzuwenden.“ Kritiker sehen in Lindners Bericht auch einen möglichen Wahlkampfaufruf, da die nächsten Wahlen in Deutschland für September 2025 angesetzt sind.
Streit und Vorwürfe
Der Kanzler und Lindner übten in getrennten Pressekonferenzen am Mittwoch Kritik aneinander. Scholz betonte, dass Lindner „keine Bereitschaft gezeigt hat, unsere Vorschläge umzusetzen“, und fügte hinzu: „Es gibt keine Vertrauensbasis für eine zukünftige Zusammenarbeit.“ Der Kanzler beschuldigte Lindner zudem, nicht im Interesse des Gemeinwohls gehandelt zu haben, sondern vielmehr seine eigene Klientel und seine Partei zu bedienen.
Forderung nach Neuwahlen
Später am Tag erklärte Lindner, er habe „frühzeitige Wahlen als Lösung für die Haushaltsblockade empfohlen“, was Scholz jedoch abgelehnt habe. Lindner warf Scholz vor, ihn gebeten zu haben, die „Schuldenbremse“ – einen verfassungsmäßigen Artikel, der der Regierung übermäßige Schuldenaufnahme verbietet – auszusetzen, was Lindner nicht bereit war zu tun.
Reaktionen der AfD
Die Nachrichten wurden von der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) begrüßt, die im September als erste rechtsextreme Partei seit der NS-Zeit eine Landtagswahl in Deutschland gewonnen hatte. Ihre Vorsitzende Alice Weidel postete auf X: „Das Ende der Ampelkoalition ist eine Befreiung für unser Land. Es war überfällig, dass die selbsternannte ‚progressive Koalition‘, die Deutschland an den Rand des wirtschaftlichen Ruins brachte, endet.“
Diese Entwicklungen werden weiterhin verfolgt und der Artikel regelmäßig aktualisiert.