In einer aktuellen Studie des Instituts für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien wird ein gravierendes Problem der Infrastrukturverteilung in Afrika südlich der Sahara und Teilen Asiens beleuchtet. Die Forscher analysieren, dass ein erheblicher Teil der Materialbestände in wohlhabenden Ländern konzentriert ist, während in ärmeren Regionen ein akuter Mangel besteht. Dies erschwert den Zugang zu grundlegenden Lebensstandards für viele Menschen weltweit. Über 70 Prozent der global angesammelten Materialien werden für Überkonsum verwendet, was über die minimalen Anforderungen an ein menschenwürdiges Leben hinausgeht, berichtet die Kleine Zeitung.

Die ungerechte Verteilung von Infrastruktur ist demnach das Hauptproblem und nicht der eigentliche Mangel an Infrastruktur selbst. Wenn Materialien gezielt dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden, könnte durch einen zusätzlichen Materialeinsatz von nur 12 Prozent sichergestellt werden, dass alle Menschen angemessene Lebensstandards erreichen können. Notwendige Anwendungen der Materialien sind unter anderem für Herde, Kühlschränke, Häuser und Gesundheitseinrichtungen identifiziert worden.

Ressourcen und Umweltbelastung

Die gegenwärtige Ressourcennutzung hat jedoch weitreichende ökologische Konsequenzen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen nicht nur die Umwelt belastet, sondern auch oft irreversible Veränderungen in Ökosystemen mit sich bringt. Ressourcen wie Wasser, Boden und Luft unterliegen durch ihre Nutzung erheblichem Druck, während die Umweltbelastungen global zunehmen.

Energieintensive Prozesse bei der Gewinnung und Verarbeitung nicht-regenerativer Rohstoffe führen zu Schadstoffemissionen in Wasser, Boden und Luft. Auch die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe ist häufig mit hohem Chemikalieneinsatz und Energiekosten verbunden. Diese Probleme werden durch ein weltweites Bevölkerungswachstum und somit steigenden Druck auf natürliche Ressourcen zusätzlich verschärft.

Soziale Ungleichheit und Umwelt

Die Universität Bamberg untersucht die tieferliegenden Verbindungen zwischen sozialer Ungleichheit und Umweltzerstörung. Die Ursachen dieser Umweltschäden sind ungleich verteilt: Wohlhabende Menschen verursachen in der Regel einen höheren ökologischen Fußabdruck. Dieser Umstand führt dazu, dass arme Bevölkerungsgruppen oft die schwerwiegenden Folgen der Umweltzerstörung stärker zu spüren bekommen, sie leben häufig in gesundheitlich belasteten Gebieten mit schlechten Lebensbedingungen.

Die Untersuchung zeigt ebenso, dass soziale Ungleichheit die Akzeptanz umweltpolitischer Maßnahmen behindert. Beispielweise erscheinen umweltpolitische Instrumente, wie beispielsweise CO2-Preise, für ärmere Menschen häufig belastend, während wohlhabende Konsumenten wenig Anreize zur Veränderung ihres Verhaltens haben. Diese Diskrepanz zeigt die Notwendigkeit auf, soziale und ökologische Probleme in einer integrierten Strategie zu betrachten und gleichzeitig anzugehen.

Der Fortbestand des gegenwärtigen Musters der ungleichen Ressourcennutzung könnte die globalen Materialbestände in Infrastrukturen mehr als verdoppeln, was schwerwiegende Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt zur Folge hätte. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, ist ein Umdenken in der Ressourcennutzung und -verteilung unerlässlich.