Am 24. Jänner 2026 stehen die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der CO2-Speicherung wieder im Fokus. Eine Studie der Energy & Strategy-School of Management am Politecnico Milanese bewertet CCS (Carbon Capture and Storage) und die Nutzung von Atomstrom als ökonomisch ineffektiv. Diese Einschätzung wird durch die voranschreitenden Klima- und Energieziele der Europäischen Union untermauert.

Die EU hat verbindliche Mengen-Ziele für CCS als Teil ihrer Klimaschutzstrategie festgelegt. Diese Technologie soll in Sektoren wie der Zementproduktion und der Erdgasverstromung eingesetzt werden, wo ein Austausch mit erneuerbaren Energien als schwierig angesehen wird. Die Schätzungen der Kosten für CCS variieren je nach Sektor:

Sektor Geschätzte Kosten (in Mrd. €) Zeitraum
Zementsektor 7,1 bis 13,2 10 Jahre
Erdgasverstromungssektor 7 bis 13,7 15 Jahre
Abfall-zu-Energie-Sektor 5,8 bis 13,2 15 Jahre

Die Finanzierung dieser Technologien soll durch Einnahmen aus dem Verkauf von ETS-Zertifikaten sichergestellt werden. Kritiker warnen jedoch, dass diese Finanzierung Investitionen in alternative Technologien, Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energieanlagen bremsen könnte. Der wirtschaftliche Nutzen und die Effizienz der CCS-Strategie stehen daher in der Diskussion.

Regulatorische Fortschritte und Herausforderungen

Um den Einsatz von CCS voranzutreiben, hat das Bundeskabinett eine Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes beschlossen. Bundeswirtschaftsministerin Reiche bezeichnete den Schritt als wichtigen Meilenstein für die Industrie. Das Gesetz zielt darauf ab, sowohl CCS als auch CCU (Carbon Capture and Utilization) zu ermöglichen und die notwendigen CO2-Transport- und Speicherinfrastrukturen zu schaffen.

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass prozessbedingte CO2-Emissionen in der Kalk- und Zementherstellung abgeschieden werden müssen. Zudem sollen CO2-Leitungen unter Berücksichtigung von Sicherheits- und Umweltvorschriften errichtet werden. Dabei wird ein überragendes öffentliches Interesse an der Schaffung solcher Infrastrukturen festgestellt, was im Einklang mit den Klimazielen steht.

Die Implementierung neuer CO2-Infrastrukturen könnte jedoch zwischen sieben und zehn Jahren in Anspruch nehmen. Dies stellt eine Herausforderung dar, da diese Anlagen zu Beginn der 2030er Jahre benötigt werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Klimaziele und Emissionsreduktionen

Im Rahmen des Bundes-Klimaschutzgesetzes wurden ambitionierte Treibhausgas-Minderungsziele formuliert. So soll eine Reduktion von mindestens 65 % bis zum Jahr 2030 erfolgen, gefolgt von einer Minderung von 88 % bis 2040, um 2045 die Netto-Treibhausgasneutralität zu erreichen. Der LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) wird als einziger Sektor betrachtet, der einen Senkenbeitrag leisten kann, um Restemissionen zu kompensieren.

Die Ziele basieren auf einer langfristigen Strategie zur Reduzierung unvermeidbarer Restemissionen und erfordern große Anstrengungen in allen Sektoren. Die Frage bleibt, ob die ambitionierten EU-Ziele zur CO2-Reduktion für 2030, die bereits als schwer erreichbar eingeschätzt werden, mit den aktuellen Maßnahmen tatsächlich erreicht werden können.

Ob der Fokus auf CCS letztendlich die Lösung für die schwer vermeidbaren Emissionen in der Industrie darstellt oder ob alternative Technologien gefördert werden sollten, bleibt Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Für weitere Informationen: Oekonews, Bundeswirtschaftsministerium, Umweltbundesamt.