In den vergangenen Tagen hat sich die Lage in Belutschistan, einer rohstoffreichen und zugleich ärmsten Provinz Pakistans, dramatisch zuspitzt. Mindestens 125 Menschen wurden bei koordinierten Angriffen in der Provinzhauptstadt Quetta und in Gwadar getötet, darunter 18 Zivilisten, 15 Sicherheitskräfte und 92 Aufständische, so berichtet Vienna.at. Die Zahl der Opfer könnte sogar höher ausfallen, da Sicherheitsbehörden zunächst von 15 Festgenommenen und 58 gefallenen Kämpfern berichteten. Diese neuen Angriffe sind Teil eines anhaltenden Konflikts, der sich zuletzt mit verstärkten militärischen Übergriffen und einer komplexen Taktik durch militante Gruppen, insbesondere die Belutschistan-Befreiungsarmee (BLA), zugespitzt hat.

Die Angriffe wurden als „koordiniert, aber schlecht ausgeführt“ bezeichnet, wobei mehrere Polizeiwachen und strategische Punkte gleichzeitig attackiert wurden. Ein hochrangiger Militärvertreter äußerte sich besorgt über die Unfähigkeit, die Sicherheitslage vollständig unter Kontrolle zu bringen. Premierminister Shehbaz Sharif lobte zwar die Sicherheitskräfte, machte jedoch auch deutlich, dass der internationale Kontext, insbesondere die mutmaßliche Unterstützung für die Separatisten durch Indien und Afghanistan, Einfluss auf die Situation haben könnte. Sharif betonte, dass die Angriffe auch darauf abzielten, Entwicklungsprojekte des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) zu stören, die für das wirtschaftliche Wachstum der Region von entscheidender Bedeutung sind.

Die Rolle der BLA

Die BLA, die größte militante Gruppe der Belutschen, hat sich zu diesen und ähnlich verheerenden Angriffen bekannt. Bereits im August 2025 wurden bei anderen Attacken, die auf Polizeikräfte und Infrastruktur abzielten, mindestens 70 Menschen getötet, darunter 14 Soldaten. Die militante Gruppierung setzt zunehmend auf Koordination und Komplexität ihrer Angriffe, welche auch Selbstmordattentäter einschließen. Experten warnen vor einer Eskalation der Gewalt, die die nationale und regionale Sicherheit erheblich destabilisieren könnte, da die BLA perspektivisch auch gegen Ausländer und chinesische Projekte vorgeht Berichten von DW.

Diese Konflikte sind nicht neu. Die Baloch-Rebellion hat seit Anfang 2025 stark zugenommen und wird von humanitären Anliegen und dem Gefühl der Ausbeutung durch die pakistanische Regierung und China getrieben. Laut Berichten des Westpoint CTC sind seit 2011 mehr als 10.000 Belutschen in Pakistan verschwunden. Diese Systematik hat zu einem verstärkten Gefühl der Hilflosigkeit innerhalb der belutschischen Bevölkerung geführt, die oft radikale Maßnahmen als einzige Möglichkeit sieht, auf ihre Missstände aufmerksam zu machen.

Aktivisten befürchten, dass während die Regierung militant gegen die BLA vorgeht, friedliche Protestbewegungen ebenso unterdrückt werden könnten. Eine nachhaltige Lösung des Konflikts ist daher in weite Ferne gerückt, da der Mangel an politischer Lösung für die langjährigen Beschwerden der Belutschen eine Eskalation der Rebellion droht.

Die gewalttätigen Ereignisse in Belutschistan sind nicht nur regionale, sondern auch geopolitische Herausforderungen, die weitreichende Folgen für die Stabilität in Pakistan und darüber hinaus haben könnten. Es bleibt abzuwarten, wie die pakistanische Regierung auf die aktuelle Krise reagieren wird.