Die Spannungen im Libanon nehmen erneut zu, nachdem Israel am 6. Jänner 2026 Luftangriffe auf mutmaßliche Terrorziele im Süden und Osten des Landes durchgeführt hat. Diese Angriffe zielen vor allem auf die pro-iranische Hisbollah und Hamas ab und folgen dem Vorwurf des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun, Israel untergrabe die Bemühungen zur Verhinderung einer Eskalation. Aoun betont, dass die Angriffe dafür gedacht seien, lokale, regionale und internationale Initiativen zur Deeskalation zu vereiteln, während die israelische Armee erklärte, dass die Luftschläge am Montag Infrastruktur islamistischer Terrorgruppen im Libanon gezielt trafen. Insgesamt wurden vier Dörfer angegriffen, darunter Ain el-Tineh, al-Manara, Aanan und Kfar Hatta, für die Evakuierungsanweisungen gegeben worden waren.
Zusätzlich zu diesen Angriffen wurden in der Nacht auf Dienstag auch Ziele in Ghaziyeh, nahe Sidon, bombardiert. Die israelischen Angriffe haben mehrere Waffenlager und Militäranlagen der Hisbollah und Hamas zerstört. Berichten zufolge wurde in einem der Angriffe ein Haus im Dorf Manara getroffen, das zuvor dem 2024 getöteten Hamas-Kommandeur Scharhabil al-Sajed gehörte. Diese Offensive ist nicht die erste ihrer Art, seit die Waffenruhe im November 2024 vereinbart wurde. Nach dem Überfall der Hamas auf Israel im Jahr 2023 hatte die Hisbollah eine zweite Front eröffnet, was zu weiteren militärischen Auseinandersetzungen führte.
Waffenruhe und deren Herausforderungen
Wasser und Öl scheinen nach wie vor ein Konfliktfeld zu sein. Nach dem Waffenstillstandsabkommen, das unter amerikanischer und französischer Schirmherrschaft ausgehandelt wurde, hatte die libanesische Regierung bis Ende 2025 die Entwaffnung der Hisbollah zugesagt. Diese wurde jedoch bisher nicht umsetzen. Laut der libanesischen Regierung sollen bis Ende 2025 alle Gebiete an der Grenze zu Israel von der bewaffneten Präsenz der Hisbollah befreit werden. Eine Sitzung zur Erörterung der Entwaffnung ist für Donnerstag geplant, an der auch Armeebefehlshaber Rudolph Haikal teilnehmen soll.
Die Hisbollah hat sich jedoch klar gegen diese Entwaffnungposition ausgesprochen. Ihr Chef, Naim Kassem, teilte in einem Fernsehinterview mit, dass sie sich weigern werde, sich zu entwaffnen. Trotz der getroffenen Vereinbarungen führt Israel weiterhin Luftangriffe durch. Amnesty International berichtete, mindestens 100 Zivilisten seien bis Oktober 2025 durch die israelischen Angriffe getötet worden, was die humanitäre Situation im Libanon weiter belastet. Zudem wird befürchtet, dass die anhaltenden Angriffe und Kämpfe die Stabilität des Landes gefährden und das Risiko eines Bürgerkriegs erhöhen.
Internationale Reaktionen und die Rolle des Iran
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warnte, dass Israel die Wiederaufrüstung des Iran nicht zulassen wird und machte deutlich, dass die Entwaffnung der Hisbollah eine Bedingung für das Ende der Angriffe auf Libanon ist. Diese Haltung wird auch von US-Präsident Donald Trump unterstützt, der ankündigte, Wiederaufrüstungen im Iran zu unterbinden. Im Juni 2025 griffen Israel und die USA gemeinsam Atomanlagen im Iran an, was die geopolitische Lage weiter anheizte.
Die humanitäre Lage und die Wirren des Krieges haben jedoch nicht nur zu einem Anstieg der Gewalt geführt, sondern auch zu kreativen Ausdrücken des Friedenswillens im Libanon. Kunstwerke aus Waffenschrott im Museum in Remhala symbolisieren die Hoffnung auf Frieden und den Wiederaufbau des Landes, das nach Jahren von Konflikten und Krisen dringend Stabilität benötigt.