
Im aktuellen Podcast „Amtsgeheimnisse vor Ort“ des Gemeindebund-Präsidenten Johannes Pressl wird der Bürgermeister von Beratzhausen, Bayern, Matthias Beer, als so genannter „TikTok-Bürgermeister“ vorgestellt. Beer, der seit 2020 im Amt ist, hat sich einen Namen gemacht, indem er die Plattform TikTok nutzt, um seine kommunalen Aufgaben auf eine neue und unterhaltsame Art und Weise zu präsentieren. Der Titel „TikTok-Bürgermeister“ wurde ihm von der Bild-Zeitung verliehen und entstand ursprünglich aus einer „Blödelei“. Heute hat Beer 16.909 Follower auf TikTok und verwendet die Videos, um sowohl humorvolle als auch ernste Botschaften über das Bürgermeisteramt zu übermitteln.
Seine Beiträge präsentieren Einblicke in die Vorbereitungen zu Sitzungen, Baustellenbesuche sowie Treffen mit anderen Politikern. Dabei verfolgt Beer das Ziel, das Bild des Bürgermeisters in der Öffentlichkeit positiv zu verändern und die Kommunalpolitik einem jüngeren Publikum näher zu bringen. Er denkt, dass Social Media eine wichtige Kommunikationsplattform für Bürgermeister darstellt, auch wenn er in seinen Videos nicht für seine Wahlkampfziele wirbt.
Vorteile und Risiken von TikTok in der Politik
Trotz der positiven Aspekte sieht Matthias Beer auch kritische Punkte in Bezug auf TikTok. Er äußert Bedenken hinsichtlich der Inhalte, die von der Plattform generiert werden, Gott sei Dank nicht zuletzt wegen der Verbreitung von gewaltverherrlichenden Videos und Fehlinformationen. Während populistische Parteien wie die AfD die Plattform zunehmend dominieren und eine Reichweite erzielen, die die aller demokratischen Parteien bei weitem übertrifft, ist es für politische Akteure umso wichtiger, diesen Trends aktiv entgegenzuwirken und junge Wähler für demokratische Themen zu begeistern. Laut einer Analyse der Plattform haben rund 41% der Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren TikTok abonniert, was in Deutschland etwa 20,9 Millionen Nutzern entspricht.
Die politische Social-Media-Beratung mecoa warnt vor den möglichen Auswirkungen der TikTok-Präsenz auf künftige Wahlen. Politische Akteure riskieren viel, wenn sie sich von der Plattform fernhalten und vor den Fehlinformationen der extremen Rechten nicht gewappnet sind. Denn TikTok hat sich von einer reinen Unterhaltungsplattform zu einem zentralen Ort der politischen Meinungsbildung entwickelt.
Kommunikation und Authentizität
Matthias Beer weiß um die Herausforderungen der sozialen Medien. Er betont, dass TikTok zwar nicht für seinen persönlichen Wahlkampf genutzt wird, aber dennoch eine wertvolle Plattform darstellt, um Verständnis für die Arbeit von Kommunalverwaltungen zu schaffen. Authentizität ist hierbei das Schlüsselwort. Er trennt die Inhalte auf seinen sozialen Medien: Während Facebook und Instagram für Informationsvermittlung genutzt werden, ist TikTok für eine lockerere, unterhaltsame Ansprache vorgesehen. Dies ermöglicht es ihm, Politik näher an die Menschen zu bringen und Einblicke in das Leben eines Politikers zu geben.
Er verfolgt mit seinen Videos das Ziel, auf die Menschlichkeit von Politikern hinzuweisen und zu verdeutlichen, dass auch sie Fehler machen können. Das Verständnis für die Arbeit der Kommune soll gefördert werden, und die Bürger dazu ermutigt werden, ihre Stimme bei Wahlen abzugeben. Beer sieht für die Zukunft auch das Potenzial, dass TikTok als eine Art Suchmaschine für Informationen über Politik dienen könnte.
In der Podcast-Folge mit Pressl wird klar, dass der Austausch über Themen wie Social Media und Politik für Bürgermeister heute unerlässlich ist. Die Folgen sind auf gängigen Plattformen verfügbar und tragen dazu bei, Bürgermeister für die Herausforderungen der modernen Kommunikation zu sensibilisieren.
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