Im neuesten Elektrizitätsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA), der am 11. Februar 2026 veröffentlicht wurde, wird ein bedeutender jährlicher Anstieg des Strombedarfs von durchschnittlich 3,6 Prozent prognostiziert. Dieser Anstieg wird insbesondere durch die steigende Nutzung von E-Mobilität, dem Boom von Batterien, der verstärkten Verwendung von Wärmepumpen zur Heizung sowie der Photovoltaik zur Eigenstromerzeugung verursacht. Erneuerbare Energien spielen eine immer zentralere Rolle und ersetzen auf dem Weg zur Energiewende zunehmend fossile Energiequellen.
Die IEA fordert in ihrem Bericht eine grundlegende Umgestaltung der Stromnetze von einem Einbahnsystem zu einem System, das auch den Gegenverkehr ermöglicht. Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, ist ein Investitionsschub von jährlich 50 Prozent nötig, der bis zum Jahr 2030 realisiert werden muss. Kritisiert wird jedoch, dass die aktuellen Netzbetreiber eng an fossile und atomare Unternehmen gekoppelt sind. Diese Verflechtungen führen dazu, dass der Systemwandel nicht adäquat berücksichtigt wird und die nötigen Maßnahmen oft ausbleiben.
DEUTSCHLANDS ENERGIEWENDE IM FOKUS
Deutschland hat einen entscheidenden Wendepunkt in der Transformation seines Energiesystems erreicht, was BDEW betont. Durch die Abkehr von Kernkraft und Kohlestrom sowie den Verzicht auf russisches Erdgas wird der Fokus zunehmend auf erneuerbare Energien, emissionsarmen Wasserstoff, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge gelegt. Zu den zentralen Herausforderungen gehören die Optimierung des Stromsystems, die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung und die Stärkung der Rolle von Wasserstoff im Gesamtenergiesystem.
Um die Klimaziele zu erreichen, die eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 und die Erreichung von Klimaneutralität bis 2045 anstreben, sind massive Anstrengungen im Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erforderlich. Empfohlen wird eine klare Kommunikation der Kosten und Vorteile der Transformation an die Öffentlichkeit, um Vertrauen in die Politik zu schaffen und Akzeptanz zu fördern.
HERAUSFORDERUNGEN BEI DER INFRASTRUKTUR
Die Bestandsaufnahme zur Energiewende zeigt, dass der Strombedarf für das Jahr 2030 voraussichtlich geringeren ausfallen wird als die prognostizierten 750 Terawattstunden (TWh). Im Jahr 2024 betrug der Bruttostromverbrauch etwa 500 TWh, wobei rund 55 Prozent aus erneuerbaren Energien stammten. Selbst bei Erfüllung der bisherigen Ausbauziele wird die angestrebte Zielmarke von 80 Prozent nur knapp erreicht.
Ein erheblicher Ausbaubedarf besteht sowohl bei den erneuerbaren Energien als auch bei der Netzinfrastruktur. Damit die gesetzlich festgelegten Ausbau- und Klimaschutzziele nicht verfehlt werden, müssen Netzbetreiber befähigt werden, den notwendigen Netzausbau zu realisieren. Notwendig hierfür sind verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine Balance zwischen Kosteneffizienz und Systemnutzen. Politische Maßnahmen sollten darauf abzielen, die vorhandenen Potenziale an flexiblen Lösungen auf Erzeugungs- und Verbrauchsseite zu nutzen.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass für eine erfolgreiche Energiewende in Deutschland ein integrierter Ansatz gefordert ist, der alle Faktoren—von der Erzeugung über die Speicherung bis hin zur Netzinfrastruktur—berücksichtigt. So können die Herausforderungen der Zeit gemeistert und eine nachhaltige, zukunftsfähige Energieversorgung sichergestellt werden.