Am Mittwoch äußerte sich Stefan Wolf, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, besorgt über die Zukunft der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost machte er deutlich, dass in den kommenden fünf Jahren bis zu 300.000 Arbeitsplätze dieser Branche bedroht sein könnten. Dies sei eine erhebliche Herausforderung, allerdings betonte er auch, dass der demografische Wandel—insbesondere der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge—diese Situation etwas abfedern könnte, sofern die jüngere Generation bereit ist, mehr zu arbeiten.

Ein wesentlicher Kritikpunkt von Wolf richtet sich gegen die politische Führung auf Bundes- und EU-Ebene. Seiner Meinung nach fehle es der aktuellen Bundesregierung an der Fähigkeit, strukturelle Probleme effektiv anzugehen. Besonders in der Bildungspolitik sieht er Nachholbedarf, um den hohen Zahl der Schulabbrecher entgegenzuwirken. Gleichzeitig fordert er einen Wiedereinstieg in die Atomenergie als eine von vielen notwendigen Maßnahmen, um die laufende Wirtschaftskrise zu bewältigen.

Ein Blick auf die Arbeitszeiten

Besonders die Arbeitszeiten in der Elektro- und Metallindustrie stehen im Fokus von Wolfs Kritik. Mit einer tariflich geregelten Wochenarbeitszeit von 35 Stunden ist die Branche laut ihm weltweit das Schlusslicht. Er plädiert für mehr Flexibilität im Arbeitszeitgesetz, um auf die drohenden Arbeitsplatzverluste reagieren zu können, ohne allerdings die gesetzliche Obergrenze von 48 Stunden pro Woche zu überschreiten.

Seine Äußerungen, wie apollo-news.net berichtet, haben bereits für einige Diskussionen gesorgt, vor allem hinsichtlich der Forderung an die jüngere Generation, sich mehr in den Arbeitsprozess einzubringen. Auch sieht er die Notwendigkeit, der jungen Generation klarzumachen, dass die ‚Wohlfühlgesellschaft‘ nun vorbei sei und mehr Einsatz notwendig sei.

Kritik an der EU-Politik

Wolf sparte nicht mit Kritik an der EU-Politik, insbesondere was die Förderung der Elektromobilität betrifft. Viele Konsumenten seien unwillig, auf Elektroautos umzusteigen, was die von der Politik erzwungene Umstellung der Automobilindustrie zu einem weiteren Problem mache. Auch die Einführung von Strafzöllen auf chinesische Elektroautos bezeichnet er als Fehlgriff. Zudem schlägt er ein Aussetzen des sogenannten Lieferkettengesetzes vor, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu entlasten.

Die Metall- und Elektroindustrie, eine bedeutende Säule der deutschen Wirtschaft, steht vor großen Herausforderungen. Ein im Jahr 2023 erschienener Lagebericht des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall spricht von einem Jahresumsatz von 1,4 Billionen Euro und einer Beschäftigungszahl von rund vier Millionen Menschen, was die Dramatik der von Wolf angeführten Probleme unterstreicht. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen auf diese Warnungen reagieren werden.