In der Volksschule St. Thomas in Magdalensberg, Kärnten, sorgt ein altes Fresko aus dem Jahr 1969 für hitzige Diskussionen. Das Werk des Künstlers Mels-Colloredo zeigt das Alphabet, ergänzt mit entsprechenden Illustrationen. Besonders umstritten ist die Darstellung neben dem Buchstaben „N“, die eine dunkelhäutige Person mit afrikanischen Wurzeln abbildet. Die Debatte um diese Wandkunst hat sowohl die Schulleitung als auch die lokale Politik auf den Plan gerufen.

Direktorin Edith Patscheider, die mehrfach auf die Fresken angesprochen wurde, ist in der Diskussion gefordert. Auch Bürgermeister Andreas Scherwitzl hat seine Kritik an der Darstellung geäußert. Beide sind sich einig, dass der Begriff „Neger“ nicht mehr zeitgemäß ist. Trotz dieser Einigkeit bleibt das Fresko unverändert in der Aula der Volksschule hängen, und es wurden bisher keine Maßnahmen zur Veränderung des Kunstwerks umgesetzt.

Interne Diskurse und mögliche Maßnahmen

Intern wurde über verschiedene Maßnahmen diskutiert, darunter das Übermalen des Freskos oder die Einführung schriftlicher Erklärungen vor Ort. Letztendlich hat sich die Schule jedoch für mündliche Aufklärung entschieden, um den Schülern die Geschichte hinter dem umstrittenen Begriff näherzubringen. Patscheider betont, dass es ihr wichtig ist, die Schülerinnen und Schüler für eine sensible Sprache zu sensibilisieren und gleichzeitig die historische Bedeutung des Freskos als Kulturgut zu wahren.

Die Schule ist nicht öffentlich zugänglich; nur Pädagogen und Schüler haben Zugang zu dem Gemälde und sind über dessen Inhalt informiert. Es bleibt unklar, ob sich in der Zukunft etwas an der Wandkunst ändern wird. Direktorin Patscheider zeigt sich jedoch offen für Anpassungen, möglicherweise durch einen Künstler. Konkrete Pläne von der Schule oder Gemeinde gibt es derzeit nicht.

Kunst im Kontext der gesellschaftlichen Diskussion

Die Diskussion um das Fresko ist Teil eines größeren Phänomens, das in verschiedenen Kunstinstitutionen und Museen beobachtet wird. Die Kunsthalle Karlsruhe beschäftigt sich beispielsweise intensiv mit der Kontextualisierung in der Kunst. Ihr Ziel ist es, Veränderungen in der Wahrnehmung und Diskussion von Kunst anzustoßen und Themen wie Gender- und postkoloniale Theorien, Critical Whiteness und Repräsentation in den Fokus zu rücken.

Im Rahmen des Projekts re*visionen wird das Prinzip des Verlernens von Denkmustern hervorgehoben, um neue Sichtweisen zu ermöglichen. Stimmen externer Expert*innen sind hierbei entscheidend, um authentische Perspektiven zu gewinnen. Der Dialog zwischen Kunst und Publikum sowie zwischen Kurator*innen und Besuchenden soll eine wichtige Rolle spielen, um diskriminierungssensible Praktiken zu fördern. Die Kunsthalle setzt auf klare Positionierungen und interne Diskussionen, die zur Sensibilisierung in der Museumsarbeit beitragen.

Die Debatte in Magdalensberg ist nicht isoliert, sondern spiegelt eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Kunst und deren Repräsentation wider. In dieser Hinsicht könnte das Fresko ein Anstoß für größere Reflexionen zur Rolle von Kunst in der Gesellschaft sein und Einblicke in die Herausforderungen bieten, die mit der Darstellung von Identität und Geschichte verbunden sind.