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Bonhoeffer im Fokus: Wie sein Erbe von Christen missbraucht wird

Die kulturelle Aneignung von Dietrich Bonhoeffer durch die amerikanische Rechte hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bonhoeffer, ein evangelischer Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, wurde posthum in einen Kampf um Deutungshoheit gezogen. Ein kürzlich erschienener Film über sein Leben, der am Freitag in den österreichischen Kinos startet, weckt bei vielen Besorgnis. Denn die reißerische Werbung mit dem Slogan "Pastor, Spy, Assassin" zeigt Bonhoeffer mit einer Pistole und erweckt den Eindruck, er sei ein Kämpfer für Gewalt. Diese Darstellung wird von Regisseur Todd Komarnicki vehement abgelehnt, der betont, dass der Film nichts mit radikalen Ideologien zu tun habe. Dennoch wird er in einen Kontext gestellt, der Bonhoeffers Erbe gefährlich verfälscht, wie kathpress.at berichtete.

Der evangelikale Prediger Eric Metaxas spielt eine Schlüsselrolle in dieser Umdeutung. Er verkündet Bonhoeffer in seinen Reden als Vorbild für den Widerstand gegen liberale Ideologien und Gleichsetzungen, die tief in der rechten Politik der USA verwurzelt sind. Dies erreicht seinen Höhepunkt, als Metaxas den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 als einen "Bonhoeffer-Moment" bezeichnete, was die verzerrte Sichtweise verdeutlicht, nach der Gewalt gegen das System als gerechtfertigt angesehen wird. Kritiker warnen, dass diese Vorstellung die moralische Komplexität von Bonhoeffers Handlungen ignoriert. Der echte Bonhoeffer hatte durch seine Teilnahme an der Verschwörung zur Ermordung Hitlers den inneren Konflikt betont, dass kein Mord gerechtfertigt sei. Wie christiancentury.org anmerkte, verwandelt der Film Bonhoeffer in eine Figur, die möglicherweise Gewalt als ein angemessenes Mittel zur Bekämpfung von Tyrannei darstellt, was seinen tatsächlichen moralischen Standpunkt stark verzerrt.

Die Folgen dieser Aneignung sind alarmierend. Verantwortliche aus der rechten Heritage Foundation ziehen Parallelen zwischen Bonhoeffers Ideen und ihrer Agenda für Massendeportationen und Anti-Umweltschutz-Politik. Auch die darstellenden Künstler im Film äußern Bedenken und warnen vor manipulativen Interpretationen, die Bonhoeffer als Vorbild für eine harte politische Haltung missbrauchen. Innerhalb einer Petition kritisieren Historiker und die Familie Bonhoeffers diese Verzerrung seiner jüngsten Figur, indem sie darauf hinweisen, dass er sich niemals in der Nähe rechtsextremer Bewegungen gesehen hätte. Das Vermächtnis eines Mannes, dessen Leben für Zivilcourage und Antifaschismus steht, wird somit zu einem Instrument für moderne politische Kämpfe umgedeutet, was die Gefahr birgt, dass seine tatsächlichen Botschaften von den gegenwärtigen politischen Strömungen gewählt werden.

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Beste Referenz
kathpress.at
Weitere Quellen
christiancentury.org

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