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Zunahme israelfeindlicher Einstellungen in Österreich sorgt für Alarm!

Immer noch sind antisemitische Einstellungen in der österreichischen Gesellschaft präsent. Jüngste Erkenntnisse zeigen, dass zwischen 2022 und 2024 nicht nur rassistisch und religiös geprägter Antisemitismus konstant blieb, sondern insbesondere israelbezogener Antisemitismus eine alarmierende Zunahme erfahren hat. Dies geht aus der Antisemitismusstudie 2024 hervor, die vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag des Parlaments erstellt wurde. Erste Ergebnisse wurden heute, am 2. April 2025, veröffentlicht. Laut der Erhebung haben 13 % der Befragten manifeste antisemitische Einstellungen, was einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2022 darstellt, als dieser Wert bei 15 % lag. Der latente Antisemitismus hingegen bleibt mit 33 % stabil, gegenüber 32 % im Jahr 2022.

Der Bericht beleuchtet auch die Einflussfaktoren, die zu diesen antisemitischen Einstellungen beitragen. Glaube an Verschwörungsmythen, wenig Wissen über das Judentum, antiamerikanische Einstellungen sowie Alter und Bildung spielen eine entscheidende Rolle. Besonders auffällig sind die Ergebnisse über jüngere Menschen; sie zeigen tendenziell stärkere antisemitische Einstellungen. Der Zusammenhang zwischen dem Wissen über den Nahostkonflikt und antisemitischen Überzeugungen ist ebenso besorgniserregend: Personen, die den Angriff der Hamas auf Israel nicht als Terrorakt betrachten, stimmen in höheren Prozentsätzen antisemitischen Aussagen zu.

Zunahme an israelbezogenem Antisemitismus

Die Studie zeigt zudem eine wesentlich höhere Zustimmung zu israelbezogenen antisemitischen Aussagen. So verneinen 31 % der Befragten, dass Verständnis für den Antisemitismus bei der Politik Israels aufkommen kann – ein Anstieg um 8 Prozentpunkte seit 2022. Darüber hinaus stimmen 35 % der Aussage zu, dass Israelis Palästinenser ähnlich behandeln wie Deutsche Juden im Zweiten Weltkrieg, was einen Anstieg von 5 Prozentpunkten darstellt. Besonders alarmierend ist eine weitere Feststellung: 40 % der Befragten können Antisemitismus in Aussagen über Konzentrationslager nicht erkennen, und auch unter den jüngeren Erwachsenen war der Anteil von 15 %, die Berichte über diese Themen als übertrieben einschätzen, doppelt so hoch wie im Gesamtdurchschnitt.

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Die Studie hat auch interessante Ergebnisse über die Einstellungen von Personen mit türkischer oder arabischer Migrationsgeschichte ergeben. 27 % äußeren manifeste antisemitische Einstellungen, 48 % zeigen latente antisemitische Tendenzen. Häufiger werden hier Einflussfaktoren wie eine stärkere Neigung zu Verschwörungsmythen und patriarchalen Werten beobachtet.

Antisemitismus in Österreich - Ein historischer Kontext

Der antisemitische Diskurs in Österreich hat eine lange Geschichte und erlebte besonders nach der Shoah eine starke Transformation. Während die jüdische Bevölkerung von etwa 191.500 im Jahr 1934 auf heute geschätzte 10.000 bis 15.000 zurückgegangen ist, sind antisemitische Einstellungen weiterhin verbreitet. Diese Tendenzen sind trotz der kleinen jüdischen Gemeinschaft, die nach wie vor größtenteils in Wien lebt und familiäre Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion hat, präsent. Die österreichische Gesellschaft hat Antisemitismus oft weniger tabuisiert als andere Länder, was die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erschwert hat. Dies reicht von offenen antisemitischen Äußerungen bis hin zu subtileren Formen, die oft in der politischen Rhetorik verborgen sind.

Sowohl nach dem Zweiten Weltkrieg als auch in den letzten Jahren sind immer wieder antisemitische Attacken und Hetze aufgetreten. Ein bemerkenswerter Vorfall war der Angriff auf Elie Rosen, den Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Graz, im Jahr 2020. Eine Zunahme antisemitischer Vorfälle stellte auch die Regierung vor die Herausforderung, den Schutz von Juden und jüdischen Einrichtungen in Österreich zu betonen und zu verstärken. Aktuell wird daran gearbeitet, Antisemitismus noch präziser zu bekämpfen und die Zivilgesellschaft dazu zu ermutigen, sich aktiv gegen antisemitische Tendenzen zu richten.

Der vollständige Bericht der Studie ist auf dem Webportal des Parlaments abrufbar und bietet weitere Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Umgang mit Antisemitismus in Österreich. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema sind auch spezifische Publikationen des Parlaments und Informationen auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung hilfreich.

Für detaillierte Informationen zu den Studienergebnissen können Sie die Antisemitismusstudie 2024 hier einsehen.

Ort des Geschehens


Details zur Meldung
Was ist passiert?
Antisemitismus
Genauer Ort bekannt?
Wien, Österreich
Beste Referenz
ots.at
Weitere Quellen
parlament.gv.at

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