Am 11. Jänner 2026 steht die Wiener Polizei vor einer grundlegenden Reform ihres Dienstzeitmodells. Das Innenministerium hat ein neues System angekündigt, das darauf abzielt, die Arbeitsbedingungen für die rund 33.000 Polizistinnen und Polizisten in Österreich entscheidend zu verbessern. Dieses neue Modell soll die Flexibilität und Familienfreundlichkeit erhöhen und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben fördern. Der bisherige Dienstzeitplan war über 50 Jahre alt und ist bekannt für strikte Einteilungen und unplanbare Überstunden.
Der aktuelle Dienstplan sieht eine strenge Einteilung nach Diensträdern vor, was häufige Wechsel zwischen Nacht- und Tagdiensten erfordert. Dies führte zu Unzufriedenheit bei den Beamten, wie eine Mitarbeiterbefragung des Innenministeriums zeigt. Unplanbare Überstunden und wenig Einfluss auf die Dienstplanung sind laut vielen Polizistinnen und Polizisten die Hauptgründe für diese Unzufriedenheit. Generalsekretär Andreas Achatz kündigte daher an, dass der Reformprozess auch eine stärkere Mitsprache der Beamten bei der Dienstplanung berücksichtigen wird. Exxpress berichtet über die Einführung von Instrumenten wie einer Tauschplattform für Dienste und einer „Dienstbuchungsphase“ per App, um die Planung zu optimieren.
Umstellung auf ein neues System
Die Reform umfasst eine Reduzierung von 24-Stunden-Diensten, mit dem Ziel, dass die Polizisten ihre Arbeitszeiten flexibler gestalten können. Beamte sollen künftig entscheiden können, ob sie „freizeitorientiert“ oder „überstundenorientiert“ arbeiten möchten. Ein wichtiger Aspekt der Reform sind die geplanten Probebetriebe, die im Frühjahr 2026 in mehreren Bezirken, unter anderem in Leopoldstadt und Brigittenau, stattfinden sollen. Diese Testläufe sollen das normale Dienstgeschehen simulieren und dabei helfen, reale Dienstpläne zu erproben. Kurier berichtet, dass die Reform kein Sparprogramm sei – die Anzahl der Überstunden soll gleich hoch bleiben, um den Abgang von Personal auszugleichen.
Die Änderungen sind dringlich, da in Wien im Vorjahr über 2,18 Millionen Überstunden angefallen sind. Ein Überstunden-Pool wird eingeführt, um die Belastung durch Überstunden zu verringern und den Beamten die Möglichkeit zu geben, sich freiwillig für zusätzliche Dienste zu melden. Dies soll auch dazu beitragen, Engpässe zu vermeiden, die in kritischen Situationen wie Naturkatastrophen oder Terroranschlägen auftreten können, wo kein Mitspracherecht bei der Dienstzeiteinteilung besteht. Die Presse hebt hervor, dass die Entwicklung des neuen Modells auch internationale Best-Practice-Modelle berücksichtigt und die Unterstützung von Personalvertretungen miteinbezieht.
Herausforderungen der Umsetzung
Trotz der optimistischen Aussicht auf eine Verbesserung der Dienstzeiten gibt es Bedenken bezüglich der Umsetzung. Walter Strallhofer (FSG) äußerte, dass die besonderen Anforderungen in Wien sowie der aktuelle Personalstand Herausforderungen darstellen könnten. Die Polizeigewerkschaft zeigt sich zwar vorsichtig optimistisch, betont aber die Notwendigkeit von Führungsverantwortung, um sicherzustellen, dass genügend freiwillige Meldungen für Dienste eingehen.
Insgesamt könnten die anstehenden Veränderungen für die Wiener Polizei weitreichende positive Folgen haben. Mit dem Fokus auf Flexibilität, Familienfreundlichkeit und einer besseren Work-Life-Balance könnte das neue Dienstzeitmodell dazu beitragen, die Zufriedenheit der Beamten zu erhöhen und langfristig die Bindung von erfahrenem Personal an die Polizei zu stärken.