Am 3. Februar 2026 wurde bekannt, dass das Infocenter entlang des Wiental-Kanals seit seiner Eröffnung bereits über 10.000 Besucher*innen angezogen hat. Dieses multimediale Informationszentrum am Gaudenzdorfer Gürtel ist Teil des größten Kanalbau- und Gewässerschutzprojekts in Wien seit Jänner 2025. Das Infocenter vermittelt die Geschichte der Wiener Kanalisation und des Wiental-Kanals und dient dazu, das Bewusstsein für Gewässerschutz und Umweltgerechte Abwasserentsorgung zu fördern.

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky empfing kürzlich Gebäudetechniklehrlinge und bat sie zu einer „Jause“ ins Infocenter, um ihnen die Wichtigkeit des Projekts näherzubringen. Die Dauerausstellung trägt den Titel „Über Unten“ und wird durch eine stündliche 20-minütige multimediale Führung ergänzt, die durch den Einsatz von Farbkonzepten, Projektoren, Screens und Videos ein interaktives Erlebnis bietet.

Das Bauprojekt im Detail

Der Wiental-Kanal, der bis 2005 als speichernder Entlastungskanal für den rechten und linken Wientalsammelkanal errichtet wurde, wird nun um etwa neun Kilometer verlängert. Aktuelle Bauarbeiten verlaufen größtenteils unter der Erde, jedoch sind auch Auswirkungen auf die Oberflächen sichtbar. Der Bau wird durch die Tunnelbohrmaschine „Krümel“ vorangetrieben, die inzwischen über zwei Kilometer in Richtung Westen gearbeitet hat. Die Fertigstellung dieser Erweiterung ist für 2028 geplant.

Das Infocenter bietet nicht nur Informationen über den Verlauf und die Funktion des Projekts, sondern auch darüber, wie der Wiental-Kanal die Wasserqualität im Wienfluss verbessern und das Kanalnetz bei Starkregen entlasten wird. Mit einem Speichervolumen von 100.000 Kubikmetern soll der neue Kanal verhindern, dass ungeklärte Mischwässer in die Donau gelangen.

Historischer Kontext der Wiener Kanalisation

Die Entwicklung der Wiener Kanalisation hat eine lange Geschichte. Schon im Jahr 100 n. Chr. verfügte das Römerlager Vindobona über eine rudimentäre Kanalisation. Der Anschluss aller Häuser an die Kanalisation in der Inneren Stadt erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert führte das rasante Bevölkerungswachstum dazu, dass der Wienfluss als Abwassersammler genutzt wurde, was mehrfach zu Choleraepidemien führte, darunter die schwerste 1873 während der Wiener Weltausstellung.

Die Wiener Kanalisation hat heute eine Länge von rund 2.500 Kilometern und transportiert täglich eine halbe Milliarde Liter Abwasser. Bemerkenswert ist, dass 99,8% der Wiener Haushalte an das Kanalnetz angeschlossen sind. Die Baustellen und der Verlauf der neuen Kanalrohre werden mit dem Ziel angelegt, die Infrastruktur der Stadt nachhaltig zu verbessern und Anpassungen an die aktuellen Klimaherausforderungen durchzuführen.

Die Öffnungszeiten des Infocenters sind Donnerstag von 14 bis 19 Uhr, Freitag von 9 bis 14 Uhr und Samstag von 10 bis 15 Uhr. An Feiertagen bleibt es geschlossen. Der Eintritt sowie die Führungen sind kostenlos, jedoch wird für Gruppen eine Reservierung empfohlen. Für weitere Informationen steht die Telefonnummer +43 664 158 48 69 oder die E-Mail info@wkn.wien.gv.at zur Verfügung.

Insgesamt betrachtet, symbolisiert das Projekt nicht nur eine technische Errungenschaft, sondern auch einen bedeutenden Schritt in Richtung Umweltbewusstsein und Gewässerschutz in Wien.