Am 4. Februar 2026 wurde ein 20-Jähriger in Wien wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und einer kriminellen Organisation zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Dieser junge Mann hatte Waffen an jüngere Anhänger des Islamischen Staates (IS) beschafft. Bereits im Jänner 2025 war er wegen terroristischer Vereinigung verurteilt worden, nachdem er IS-Propagandamaterial verbreitet und eine Reise nach Syrien geplant hatte. Nach seiner vorzeitigen Entlassung setzte er seine Aktivitäten fort, was zu seiner erneuten Festnahme am 19. Mai 2025 führte, wie vienna.at berichtet.

Der Staatsanwalt betonte, dass der Angeklagte gezielt jüngere Personen für die IS-Ideologie gewinnen wollte. Zu seinen Bekannten gehörte ein 15-Jähriger, der einen Anschlag am Wiener Westbahnhof plante und mittlerweile verurteilt wurde. Der 20-Jährige hat diesem Jugendlichen ein Messer besorgt, während er auch einen 18-Jährigen mit Anschlagsplänen gegen die israelische Botschaft in Wien unterstützte, indem er ihm ein Luftdruckgewehr kaufte und Bombenbau-Anleitungen übermittelte. Ein weiterer Bekannter, ebenfalls ein 15-Jähriger, der sich mit Selbstmordanschlägen beschäftigte, erhielt ebenfalls von ihm ein Messer.

Das Umfeld des Angeklagten

Im Verlauf des Verfahrens gestand der Angeklagte, sich ausgeschlossen gefühlt zu haben, was ihn dazu bewegt habe, IS-Propaganda zu verbreiten, um eine „angenehme Atmosphäre“ zu schaffen. Seine Wohnung war zudem mit IS-Devotionalien dekoriert, was die Staatsanwaltschaft als weiteren Beweis für seine tiefe Verstrickung in die Ideologie des IS wertete. Der Angeklagte äußerte, dass der IS „vielleicht gerade im Trend“ sei und behauptete, nie jemanden umbringen zu wollen.

Die Gefährdung durch den IS bleibt auch in Europa ein zentrales Thema. Experten wie Guido Steinberg haben die Gefahr terroristischer Anschläge durch den IS als geringer eingeschätzt als die von al-Qaida, allerdings zeigen die Geschehnisse seit 2015, dass IS-Sympathisanten weiterhin zu verheerenden Anschlägen bereit sind. Wie auf lpb-bw.de dokumentiert, haben sich ausländische Kämpfer aus 100 verschiedenen Ländern dem IS angeschlossen, was die Bedrohung durch Rückkehrer erhöht.

Erhöhte Radikalisierung und die Gefährdungslage

Der Bericht des Verfassungsschutzes weist darauf hin, dass die Gefährdungslage durch islamistischen Terrorismus in Deutschland weiterhin hoch ist, insbesondere nach dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023. Mit über 9.500 Personen, die als gewaltorientiertes islamistisches Potenzial identifiziert wurden, ist die Bedrohung insbesondere durch die Jihadisten des IS omnipräsent. Der IS selbst hat sich auf geschulte Gruppen und Einzeltäter für Angriffe spezialisiert, was die Gefahr von Anschlägen in West-Europa weiter verstärkt, wie verfassungsschutz.de berichtet.

Nicht nur in Wien, sondern auch in mehreren deutschen Städten wurden Verdachtsfälle auf geplante IS-Attacken registriert, darunter in Mannheim und Solingen. Besonders auffällig ist die zunehmende Radikalisierung von Minderjährigen, die bereits zu mehreren Festnahmen aufgrund von Anschlagsplänen geführt hat. Experten sehen hierin ein besorgniserregendes Phänomen, das weiterer Überwachung und angemessener politischer Maßnahmen bedarf.