Conny Hannes Meyer, ein einflussreicher Theatermacher, ist am 26. Jänner im Alter von 94 Jahren verstorben. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Theaterlandschaft in Wien, wo er in den 60er- und 70er-Jahren als Autor und Regisseur maßgeblich tätig war. Dies berichtet oe24.at.
Meyer wurde 1931 als Sohn eines jüdischen Geschäftsreisenden und einer evangelisch getauften Jüdin geboren. In seiner frühen Kindheit verbrachte er mehrere Jahre bei Pflegeeltern in Salzburg und Berlin. 1938 kam er in ein evangelisches Kinderheim und später in ein Jugendheim für „rassisch minderwertige“ Kinder. Diese herausfordernden frühen Erfahrungen prägten sein späteres Leben und Schaffen.
Strittige Biografie und künstlerische Anfänge
Einige Aspekte von Meyers Biografie, insbesondere seine Zeit im KZ Mauthausen ab 1942, sind umstritten. Wissenschaftler haben diese Berichte als „Fiktion“ kritisiert, was die Klärung seines Lebenslaufs erschwert. Theaterwissenschafter Walter Schlögl stellte bereits 1994 fest, dass es mehrere autorisierte Lebensläufe von Meyer gibt, was die Wahrhaftigkeit seiner Erzählungen in Frage stellt. Dennoch war Meyer ein talentierter Theatermacher, der seinen Beruf als ausgebildeter Schriftsetzer begann und später auch als Zirkusakrobat arbeitete.
Im Jahr 1955 war er Mitinitiator des Wiener Theaters „Experiment am Liechtenwerd“. Drei Jahre später gründete Meyer die Theatergruppe „Die Komödianten“, die ab 1963 das „Theater am Börseplatz“ bespielte und später ins „Theater im Künstlerhaus“ umzog. Er wurde als Kristallisationspunkt für die progressive Theaterwelt in Wien angesehen und inszenierte erfolgreich an renommierten Bühnen wie dem Volkstheater, Burgtheater und Akademietheater.
Einflussreiche Werke und Auszeichnungen
Sein künstlerisches Wirken hinterließ nachhaltige Spuren in der Wiener Theaterlandschaft. Meyer brach den Brecht-Boykott in Wien und erhielt für seine Inszenierung „Die Ausnahme und die Regel“ die Kainz-Medaille. Nach der Auflösung der „Komödianten“ im Jahr 1985 arbeitete er als freier Regisseur und war ab 1992 bei der „Theaterarbeit im Burgenland“ tätig. Seine Werke und Ansichten finden auch im Kontext der jüdischen Theatergeschichte in Wien Beachtung, wie in der Quellenedition von Brigitte Dalinger dokumentiert, die die Geschichte des jüdischen Theaters beleuchtet (Max Niemeyer Verlag).
Für seine Verdienste um die Wiener Kultur wurde ihm 2011 das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler würdigte ihn als Künstler, der die Darstellende Kunst in Wien entscheidend bereichert hat. Teile seines Vorlasses sind seit 2012 im Wiener Theatermuseum und online verfügbar, was seine bedeutende Rolle in der Theatergeschichte untermauert.
Meyer bleibt in Erinnerung als ein Theatermacher, der die Bühnen Wiens maßgeblich beeinflusste und dessen Werk auch zukünftigen Generationen als Inspirationsquelle dienen wird. Der Verlust dieses außergewöhnlichen Künstlers wird in der Kulturwelt tief empfunden, wie wien.ORF.at berichtet.