
Wien treibt ein gewaltiges Bauvorhaben voran, das die Geschichte des Abwassermanagements in der Stadt revolutionieren soll. Die Bauarbeiten am Wiental-Kanal, das größte Kanalprojekt der Stadt, haben eine entscheidende Phase erreicht. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, den 12. März 2025, wurde ein beeindruckender 135 Meter langer Tunnelbohrer, auch als „Super-Bohrer“ bekannt, in der Stadt angeliefert. Dieser Bohrer wird unter dem Wienfluss von Margareten bis Auhof eine Tunnelröhre mit einem Außendurchmesser von fast vier Metern schaffen, um bis 2028 das Kanalnetz bei Starkregen zu entlasten und den Wienfluss vor Verunreinigungen zu schützen, wie Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky hervorhob. Das Projekt umfasst eine gewaltige Investition von rund 270 Millionen Euro und wird in sechs Bezirken für eine erhebliche Verbesserung der Infrastruktur sorgen.
Die Tunnelvortriebsmaschine, gefertigt von der Herrenknecht AG in Deutschland, besteht aus über 20.000 Einzelteilen und erforderte eine genauen logistische Planung, um sicher nach Wien transportiert zu werden. Bereits zu Beginn waren mehrere Sondertransporte nötig, da die Dimensionen der Maschinenbestandteile die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung überschritten. Vor Ort angekommen, müssen die tonnenschweren Teile mit einem speziellen Mobilkran präzise montiert werden. Laut Wien Kanal Direktor Andreas Ilmer ist das Einheben der Bauteile ein heikler Moment, der höchste Präzision und ruhige Hände erfordert. Die Fertigstellung des Bohrers ist für Ende März geplant, gefolgt von einem finalen Check Anfang April, bevor es dann Mitte April wirklich "ready to drill" heißt.
Historische Einblicke in den Wienfluss
Die aktuellen Arbeiten am Wiental-Kanal stehen im Zusammenhang mit einer längeren Geschichte des Wienflusses, der bereits in den Jahren 1847 bis 1857 kartografisch und hydrotechnisch dokumentiert wurde. Diese „Wienflussaufnahmen“, durchgeführt von Ingenieurstudenten am Polytechnischen Institut unter Professor Josef Stummer, zeigen eine Stadt im Wandel. Während des frühen 19. Jahrhunderts expandierte Wien rasant, was auch die Fragen des Hochwasserschutzes und der Uferregulierung mit sich brachte, die bereits damals von den Ingenieuren erkannt und thematisiert wurden. Die ausführlichen Protokolle der Studierenden bieten wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Fortschritte im Bereich des Wasserbaus und sind ein Beleg für die lange Tradition des Ingenieurwesens in Wien, die auch in den heutigen Projektentwicklungen zu erkennen ist, wie geschichtewiki.wien.gv.at) und presse.wien.gv.at berichten.
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