Am 21. Jänner 2026 fand in der Italienischen Botschaft in Wien die Jahresauftaktpressekonferenz von Stellantis Austria statt. Geschäftsführer Markus Wildeis sprach über die Geschäftszahlen des Jahres 2025 und wagte einen Ausblick auf 2026. Ein zentrales Thema der Konferenz waren die strukturellen Herausforderungen, vor denen die europäische Automobilindustrie steht, insbesondere inmitten geopolitischer Unsicherheiten und Handelsbarrieren. Diese Faktoren belasten die Branche und behindern die Transformation zur Elektromobilität. Laut Leadersnet hat der europäische Neuwagenmarkt seit 2020 ein dramatisches Verkaufsminus von 20 Millionen Fahrzeugen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie erlebt.

Die Auswirkungen auf die Automobilbranche sind gravierend: sinkende Steuereinnahmen, Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste sind nur einige der Herausforderungen. Zudem altert der Fahrzeugbestand in Österreich, was sowohl ökologische als auch sicherheitsrelevante Konsequenzen mit sich bringt. Wildeis betonte die Uneinheitlichkeit der Elektrifizierung in Europa, wo Nordeuropa bereits über 70% batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) besitzt, während diese Zahl in Süd- und Osteuropa unter 10% bleibt. Die Notwendigkeit einer realistischen und marktnah gestalteten Transformation ist essenziell.

Herausforderungen und Geopolitik

Die europäische Automobilindustrie sieht sich nicht nur als Opfer der aktuellen Marktentwicklungen, sondern auch der politischen Rahmenbedingungen. Laut Deutschlandfunk sind weltweit über 1,3 Milliarden Autos zugelassen, wobei mehr als 1,2 Milliarden mit Verbrennungsmotor betrieben werden. Deutsche Hersteller, die sich hauptsächlich auf Elektromobilität als Zukunftsansatz konzentrieren wollten, erleben trotz ambitionierter Ziele ein Comeback der Verbrennerfahrzeuge.

Die EU hat ihre Pläne für ein Verbrenner-Aus ab 2035 bereits aufgeweicht, was die Situation weiter kompliziert. Verkäuferzahlen von Elektroautos in Europa bleiben hinter den Erwartungen zurück, und viele Hersteller verlängern den Lebenszyklus ihrer Verbrennermodelle oder entwickeln neue. Dies führt zu einer verzögerten Umstellung auf Elektromobilität und schürt Bedenken, dass Deutschland sein Ziel von 15 Millionen Elektroautos bis 2030 deutlich verfehlen wird.

Elektromobilität als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

In Deutschland wird Elektromobilität als zentrales Element der klimagerechten Energie- und Verkehrspolitik betrachtet. Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele formuliert, darunter eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte bis 2030 sowie den Masterplan Ladeinfrastruktur II, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu fördern. Dies zeigt sich in den Bemühungen, ein flächendeckendes, nutzerfreundliches Netz von Ladestationen zu schaffen. Informationen dazu finden sich auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.

Ein entscheidender Bestandteil der Strategie ist das Deutschlandnetz mit über 1.000 Standorten und rund 9.000 Schnellladepunkten, das eine Grundversorgung an wichtigen Verkehrspunkten sicherstellen soll. Einheitliche Standards bei der Ladeinfrastruktur und der Ausbau des öffentlich zugänglichen Netzes sind ebenso wichtig wie rechtliche Anpassungen, um den technologischen Fortschritt voranzutreiben.

Stellantis selbst zeigt sich optimistisch bezüglich seiner Marktanteile und konnte im Jahr 2025 über Marktniveau wachsen, mit einem Marktanteil von 12,3% und einem Höchststand beim Auftragseingang. Wildeis erwartet für 2026 eine moderate, aber stetige Markterholung, besonders im Privatkundensegment, was auf ein zunehmendes Interesse der Verbraucher an Elektromobilität hindeutet.