Die Diskussion um die Sprachförderung in Wien ist aktueller denn je. Wie heute, am 21. Jänner 2026, berichtet, fand eine Sitzung des Wiener Landtags auf Verlangen der ÖVP statt. LAbg. Astrid Pany von der SPÖ eröffnete die Debatte mit einem eindringlichen Appell zur Notwendigkeit guter Sprachförderung, um sowohl Bildungschancen als auch die Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Sie stellte fest, dass Sprachförderung nicht nur in separaten Programmen, sondern auch integriert in Fächern wie Musik, Deutsch und Mathematik stattfinden sollte.

Pany wies darauf hin, dass aktive Sprachnutzung weitaus effektiver sei als passives Zuhören. In diesem Zusammenhang kritisierte sie die Deutschförderklassen, die ihrer Meinung nach nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, und forderte mehr Wertschätzung für die Erstsprache der Kinder. Sie bezeichnete die Forderung nach einer Pausensprache in Deutsch als kontraproduktiv und kritisierte auch die bestehenden Maßnahmen zur Sprachbestandsfeststellung in Kindergärten, da diese nicht ausreichend seien.

Herausforderung der Sprachförderung

Die Problematik wird durch Zahlen untermauert: LAbg. Lorenz Mayer (ÖVP) berichtete, dass 50% der Schulanfänger*innen in Wien schlecht Deutsch sprechen und dem Unterricht nicht folgen können, insbesondere in den Bezirken Favoriten und Meidling. Er appellierte an die Notwendigkeit von 1.000 zusätzlichen Sprachförderkräften, die im aktuellen Regierungsprogramm nicht vorgesehen sind. Eltern würden zunehmend die Bildungsfrage mit der Wohnortwahl verknüpfen, da sie gezielt nach guten Schulen suchen.

Im Gegensatz zu den genannten Kritikpunkten brachte LAbg. Mag. Berivan Aslan (GRÜNE) eigene Erfahrungen in die Diskussion ein. Sie betonte, dass frühkindliche Betreuung entscheidend für den Spracherwerb sei und Kinder, die früher in den Kindergarten kämen, tendenziell besser Deutsch lernen würden. Aslan forderte, die Verantwortung für die Sprachförderung nicht ausschließlich auf die Kinder und Eltern abzuwälzen und plädierte für lukrativere Arbeitsbedingungen in der frühkindlichen Betreuung.

Strategien für bessere Sprachförderung

Die Bedeutung sprachlicher Bildung wird ebenfalls durch Bundesinitiativen unterstrichen. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ist Sprache entscheidend für Wissen, soziale Kontakte und persönliche Entfaltung. Studien zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche in Deutschland unzureichende Sprach-, Lese- und Schreibkompetenzen aufweisen, was ihre Bildungs- und Berufschancen mindert. Das BMBF fördert daher gezielt die sprachliche Bildung in Kitas und Schulen, insbesondere durch Projekte wie Lesestart, die das Vorlesen im Familienalltag verankern und Kinder mit Fluchterfahrung unterstützen.

Die Initiative BiSS, die 2013 gegründet wurde, zielt darauf ab, Sprach- und Leseförderung in Kitas zu verbessern und unterstützt Fachkräfte mit Fortbildungsangeboten und einer Datenbank zu Diagnostik- und Förderinstrumenten. Statistiken zeigen, dass über 90% der Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine Kita besuchen, in der gezielte Deutschförderung angeboten wird, was die Chancengleichheit stärken soll.

Ähnlich wichtig ist die Forschung zur frühen sprachlichen Bildung. Studien zeigen, dass institutioneller Rassismus und Diskriminierung bei der Kita-Platzvergabe immer noch bestehen. Dies sind Faktoren, die die Integrationschancen von Kindern mit Migrationshintergrund beeinträchtigen können. Der Zugang zu frühkindlicher Bildung sollte für alle Kinder gewährleistet sein, unabhängig vom Beschäftigungsstatus der Eltern, um frühkindliche Ungerechtigkeiten zu minimieren.

Die Sitzung des Wiener Landtags endete um 11:39 Uhr, ohne dass die Anträge der Opposition eine Mehrheit erzielten. Die Diskussion wird jedoch in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin relevant bleiben, da die Sprachförderung für die Zukunft der Kinder und die Gesellschaft insgesamt von zentraler Bedeutung ist.