In einem erschütternden Fall von verdächtigem Mord in Indien steht ein österreichischer Staatsbürger unter Verdacht, seine Frau getötet zu haben. Laut Informationen von Exxpress wurde die Leiche der 28-jährigen Nikki Bathi in einem Hotelzimmer entdeckt. Die Ermittlungen wurden am Montag eingeleitet, nachdem Familienmitglieder der Verstorbenen Aussagen gemacht hatten, die die Polizei auf die Spur des Ehemanns führten, der indische Wurzeln hat und derzeit flüchtig ist.
Das Paar lebte in Wien und hatte einen sieben Monate alten Sohn. Sie waren rund eine Woche vor dem tragischen Vorfall für eine religiöse Zeremonie nach Indien gereist. Berichten zufolge kam Nikki Bathi, die neun Jahre mit ihrem Mann verheiratet war, bei einem Streit um unerfüllte Mitgift-Forderungen ums Leben. Ihre Familie konnte die hohen Forderungen der Schwiegerfamilie nicht erfüllen, was zu einem angespannten Klima führte.
Hintergrund der Mitgiftproblematik
In Indien sind Mitgift-Morde ein weit verbreitetes Problem. Schätzungen zufolge werden jährlich etwa 7000 Frauen Opfer dieser Grausamkeit, wobei viele Fälle nicht ans Licht kommen. Die Praxis der Mitgift ist in Indien seit über 60 Jahren verboten, doch hält sie sich besonders im Hindi-sprechenden Norden des Landes hartnäckig. Dies hat zur Folge, dass immer wieder Frauen wie Nikki Bathi brutaler Gewalt ausgesetzt sind, oft allein aufgrund patriarchaler Strukturen, die sie in gewalttätige Ehen zwingen.
Ein besorgniserregendes Detail ist, dass Nikki Bathis Familie zur Hochzeit eine Mitgift bestehend aus einem halben Kilo Gold, einem SUV und Bargeld bereitstellte, die jedoch von der Schwiegerfamilie nicht ausreichte. Stattdessen forderte man zuletzt einen Mercedes und Bargeld im Gegenwert von knapp 70.000 Franken. Diese unerfüllten Erwartungen können fatale Konsequenzen haben, wie der Fall von Nikki Bathi zeigt.
Die Situation von Frauen in Indien
Laut einer Studie aus dem Jahr 2011 in „The Lancet“ werden in Indien jährlich bis zu 600.000 weibliche Babys abgetrieben, da Söhne in der patriarchalen Gesellschaft als Ernährer und Erben gelten. Töchter hingegen werden wegen der kostspieligen Mitgift als Armutsrisiko angesehen. Dies führt zu einem besorgniserregenden Phänomen, das als „Femizid“ oder „Genderzid“ bezeichnet wird. Trotz gesetzlicher Gleichstellung bleibt Indien eines der frauenfeindlichsten Länder unter den großen Nationen.
Frauenrechtlerinnen wie Yogita Bhayana betonen immer wieder die Notwendigkeit, das Bewusstsein für solche Praktiken zu schärfen und für die Rechte von Frauen einzutreten. Die wiederholte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Indien erfordert dringend Maßnahmen, um Täter zur Rechenschaft zu ziehen und den Opfern zu helfen, wie auf der Seite von SOS-Kinderdörfer aufgezeigt wird.
Das Außenministerium Österreichs ist über diesen Fall informiert und steht mit der Familie des Opfers in Kontakt. Aufgrund von Datenschutzgründen können jedoch keine weiteren Informationen veröffentlicht werden. Die Schwere des Vorfalls erinnert an die dringende Notwendigkeit, die gesellschaftlichen Strukturen in Indien zu überdenken und einen sicheren Raum für Frauen zu schaffen.