
In Hernals haben sich am 2. April 2025 neun Schulen zusammen mit Kindergärten und lokalen Einrichtungen zum „Bildungsgrätzl Hernals“ zusammengeschlossen. Dieser Schritt soll eine verbesserte Vernetzung im Stadtteil fördern und kontinuierliche Bildungsangebote sowie soziale Begleitung für Kinder und Jugendliche bieten. Die Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling betonte die Bedeutung von Sprachförderung und starken Partnerschaften im Stadtteil, während Bezirksvorsteher Peter Jagsch die Kooperation zwischen Schulen und Bildungseinrichtungen hervorhob. Michaela Dallinger von der Bildungsdirektion Wien bezeichnete die Initiative als wertvollen Beitrag zur Chancengerechtigkeit, die eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche Teilhabe spielt.
Das Motto des Projekts „Für ein gutes Zusammenleben“ reflektiert die Ambitionen der Beteiligten, in einem zunehmend vielfältigen Umfeld eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Ein erster Höhepunkt war der Mehrsprachigkeitstag im Februar, der von der Volkshochschule (VHS) Hernals und dem Verein „Balu & Du“ organisiert wurde. Hierbei konnten Volksschulkinder spielerisch verschiedene Sprachen und Kulturen kennenlernen. Die bald geplanten Aktivitäten umfassen Elterncafés mit Dolmetsch-Unterstützung, eine Grätzl-Rally für Schüler*innen und praxisnahe Fortbildungen für das Schulpersonal.
Chancengleichheit im Bildungssystem
Der Zusammenschluss in Hernals steht im Kontext der weitreichenden Diskussion über Chancengleichheit. Diese wird als zentrales Anliegen in vielen politischen Programmen formuliert. In Deutschland hielten 2017 78 % der Befragten Chancengleichheit für wichtig, unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht oder Abstammung, wie die bpb berichtet. Dennoch bestehen weiterhin große Unterschiede in den Bildungschancen, insbesondere für Kinder aus unteren sozialen Schichten und mit Migrationshintergrund.
Bildung wird oft als Schlüssel zum Zugang zu gut bezahlten Berufen verstanden. So zeigen Studien, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien deutlich schlechter abschneiden als ihre Altersgenossen aus wohlhabenderen Verhältnissen. Insbesondere bei der Übergangsquote von der Grundschule zu weiterführenden Schulen bestehen große Unterschiede. Die IGLU-Untersuchung von 2016 belegt, dass Kinder aus der oberen Schicht bei gleichen kognitiven Fähigkeiten fast viermal höhere Chancen auf eine Gymnasialempfehlung haben.
Bildungsungleichheit und ihre Folgen
Bildungsungleichheit hat weitreichende Folgen für individuelle Lebensverläufe und für die Gesellschaft insgesamt. Der Zugang zu Bildung und die damit verbundenen Chancen beeinflussen nicht nur die berufliche Laufbahn, sondern auch Einkommen, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Die bpb weist darauf hin, dass Reformen im Bildungssystem zur Bekämpfung dieser Ungleichheiten oft scheitern. Frühe Förderung und Unterstützung ist entscheidend, um gleichen Zugang zu Bildung für alle Kinder zu gewährleisten.
Mit 34 aktiven Bildungsgrätzln in Wien, darunter das neu gestartete Bildungsgrätzl in Hernals, wird versucht, Bildungschancen zu erhöhen und soziale Teilhabe zu fördern. In einem gesellschaftlichen Kontext, in dem die Forderung nach Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit lauter wird, könnte dieses neue Modell der Vernetzung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein.
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