Am 29. Jänner 2026 feierte das Akademietheater in Wien die Premiere von „Der irrende Planet“, einer Inszenierung von Barbara Frey, die zu Ehren des bedeutenden Schweizer Schriftstellers Robert Walser konzipiert wurde. Walser, geboren 1878 in Biel und gestorben 1956, gilt als einer der einflussreichsten Autoren der literarischen Moderne. Seine Werke, die oft von existenziellen Ängsten und feinen Alltagsbeobachtungen geprägt sind, wurden ab den 1970er Jahren wiederentdeckt und haben viele zeitgenössische Autoren inspiriert, darunter Martin Walser und Elfriede Jelinek. Laut Krone ist Walsers bekannteste Erzählung „Der Spaziergang“ von 1917 ein zentrales Element der Inszenierung, das die Welt auf subtile Weise erkundet.
Die Regie von Barbara Frey und die Dramaturgie von Thomas Jonigk schaffen eine diskrete Atmosphäre, in der Wort, Dialoge, Slapstick, Musik und Stille harmonisch interagieren. In der Rolle des lesenden Dichters Walser spielt der Schauspieler Martin Schwab, der mit seiner Lesekunst die Zuschauer in die Gedankenwelt des Autors entführt. Neben Schwab stehen talentierte Darstellerinnen wie Maria Happel, Sabine Haupt, Katharina Lorenz, Dorothee Hartinger und Elisa Plüss auf der Bühne, während Josh Sneesby für die Live-Musik sorgt.
Ein Spaziergang mit Robert Walser
Das Konzept des Abends wird als „Spaziergang mit Robert Walser“ beschrieben und ist an die Struktur von „Der Spaziergang“ angelehnt. Die Inszenierung zielt darauf ab, das Publikum in Walsers Welt einzutauchen, die sowohl absurde als auch ironische Elemente enthält, inspirierend von seinem literarischen Stil. Max Simonischek bietet zusätzlich Dialoge, die für die Zuschauer verständlich sind und die Aufführung bereichern.
Die Inszenierung ist jedoch nicht für alle Zuschauer geeignet. Einige Besucher könnten die diskrete und nachdenkliche Darbietung als zu ruhig empfinden, was sich in gemischten Reaktionen während der Vorstellung widerspiegelt. Während einige das Stück mit Beifall würdigen, sind andere weniger beeindruckt. Das Konzept, das auf einem der großen Vertreter der literarischen Moderne basiert, bleibt dennoch provokant und anregend.
Robert Walser, dessen frühes Leben von Ambitionen wie dem Wunsch, Schauspieler zu werden, und seiner Theaterbegeisterung geprägt war, erlebte nicht nur eine literarische Karriere, sondern auch eine Tragödie, die von persönlichen Verlusten und psychischen Erkrankungen überschattet war. Er verstarb während einer Wanderung im Jahr 1956, und sein Werk lebt durch Initiativen wie die Robert Walser-Stiftung und das Robert Walser-Zentrum in Bern weiter.
Insgesamt bietet „Der irrende Planet“ im Akademietheater nicht nur eine Hommage an einen genialen Schriftsteller, sondern auch einen Teil seiner komplexen und bewegten Geschichte, die die Zuschauer auf eine gediegene Reise in Walsers faszinierende und melancholische Welt mitnimmt. Die Inszenierung schafft es, die essentielle Therorie und Poetik von Robert Walser zu vermitteln und damit einen wertvollen Beitrag zur zeitgenössischen Theaterlandschaft zu leisten.