Am 10. Februar 2026 stehen weitreichende Veränderungen im österreichischen Bildungssystem bevor. Wien wurde als Modellregion für ein Pilotprojekt zur Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre ausgewählt. Die schwarz-rot-pinke Koalition plant, diese Initiative zu erleichtern, um die „Gemeinsame Schule der Zehn- bis 12- bzw. 14-Jährigen“ zu fördern. Dies berichtet Dolomitenstadt.

Die Teilnahme an den vorgesehenen Pilotprojekten wird den Schulen freigestellt, und Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling hat ihre Bereitschaft zur Teilnahme bereits erklärt. Bildungsminister Christoph Wiederkehr unterstützt diesen Vorstoß und möchte ein entsprechendes pädagogisches Konzept entwickeln. Er hat die Verlängerung der Volksschule als pädagogisch sinnvoll erachtet und sieht hierin eine Maßnahme zur Förderung der Chancengerechtigkeit und der Entwicklung von Kindern.

Herausforderungen und Perspektiven

Der derzeitige Zustand sieht vor, dass Kinder mit zehn Jahren zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe entscheiden müssen. Der Zugang zum Gymnasium ist dabei oft stark eingeschränkt; nur Schüler mit „Sehr Gut“ oder „Gut“ in Deutsch und Mathematik haben hier Chancen. Das Ministerium prüft, wie eine verlängerte Volksschule pädagogisch umgesetzt werden kann, wobei noch Fragen zur Unterrichtsgestaltung und zu den Schulstandorten für das Pilotprojekt geklärt werden müssen.

Ein weiterer Punkt betrifft die Notwendigkeit zusätzlicher Klassenräume in den teilnehmenden Schulen. Die Lehrergewerkschaft reagiert auf den Vorschlag abwartend. Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger hat angemerkt, dass bislang kein greifbares Konzept für die praktische Umsetzung des Pilotprojekts präsentiert wurde. Er fordert zudem, den Übergang zwischen Volksschule und Sekundarstufe 1 durch Potenzialanalysen zu verbessern.

Bildungsungerechtigkeit und Chancengleichheit

Ein zentraler Aspekt bei der Diskussion um das Bildungssystem in Österreich sind die herkunftsbezogenen Leistungsunterschiede. Schüler*innen mit Migrationshintergrund schneiden in Fächern wie Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften signifikant schlechter ab. Laut einer Analyse liegen diese Schüler*innen in Mathematik um 58 Punkte, im Lesen um 65 Punkte und in Naturwissenschaft um 78 Punkte hinter jenen ohne Migrationshintergrund. Dabei sind die Leistungsdifferenzen im Vergleich zu OECD-Ländern bemerkenswert hoch. Diese Ungleichheiten zeigen sich nicht nur in den Testergebnissen, sondern auch in der Bildungsmobilität, die für Kinder mit Migrationshintergrund oft geringer ist.

Etwa die Hälfte der Schüler*innen mit Migrationshintergrund in Österreich gilt als sozioökonomisch benachteiligt. Ein hoher Migrantenanteil in einer Klasse kann größere Herausforderungen für die Lehrkräfte und die Schülerschaft mit sich bringen. Internationaler Vergleich, wie das Beispiel Kanada zeigt, belegt jedoch, dass ein Migrationshintergrund nicht zwangsläufig zu schlechteren Bildungschancen führen muss, wie Schule.at darstellt.

Insgesamt wird das Pilotprojekt zur sechsjährigen Volksschule als eine Möglichkeit gesehen, um Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu fördern. Dabei bleibt abzuwarten, wie die Politik und das Bildungsministerium die Herausforderungen umsetzen, um ein gerechteres und inklusiveres Bildungssystem zu schaffen.