Im Jahr 2024 erlebte Österreich einen Anstieg der Eheschließungen, wobei die Zahl auf 6,0 pro 1.000 Erwachsene kletterte. Diese positive Entwicklung könnte jedoch im Schatten einer sinkenden Scheidungsrate betrachtet werden. Diese fiel auf 36,5 Prozent, ein Rückgang im Vergleich zu 37,6 Prozent im Jahr 2020 und 46,4 Prozent im Jahr 2005. Laut vienna.at spielt die wirtschaftliche Unsicherheit eine entscheidende Rolle bei dieser Tendenz. Soziologin Ulrike Zartler-Griessl erklärt, dass in Krisenzeiten Menschen oft dazu neigen, Scheidungspläne aufzuschieben.
Wirtschaftliche Faktoren und Zuwanderung werden als Hauptgründe für den Rückgang der Scheidungsrate angesehen. Während der Coronapandemie 2020 kam es zu einem Rückgang bei den Scheidungen, dem ein leichter Anstieg aufgrund nachgeholter Scheidungen folgte. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass eine geringere Scheidungsrate nicht zwangsläufig ein höheres Maß an ehelichem Glück signalisiert.
Die Situation in Deutschland
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland. Im Jahr 2024 wurden rund 129.300 Ehen geschieden, was einen marginalen Anstieg von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt, wie destatis.de berichtet. Dies stellt einen Rückgang um 39,6 Prozent seit 2003 dar. Auch in Deutschland zeigen sich interessante Trends. 2024 wurden 349.200 Ehen geschlossen, was einem Rückgang von 3,3 Prozent im Vergleich zu 2023 entspricht. Von diesen Eheschließungen fanden 340.400 zwischen Mann und Frau statt, während 8.800 zwischen Personen gleichen Geschlechts geschlossen wurden.
In Deutschland waren 65.700 der geschiedenen Paare (50,8 Prozent) Eltern von minderjährigen Kindern. Im Schnitt hatten die geschiedenen Paare 14 Jahre und 8 Monate miteinander verheiratet verbracht. Überwältigende 80,5 Prozent der Scheidungen geschahen nach einer Trennungszeit von mindestens einem Jahr, was die langfristigen Herausforderungen der Ehe verdeutlicht.
Ein Blick auf Statistiken
Um die Ehe- und Scheidungsraten besser zu verstehen, ist es hilfreich, einige Statistiken zu betrachten. In Österreich ist das mittlere Alter bei der ersten Heiratsaufnahme 31,2 Jahre für Frauen und 33,0 Jahre für Männer. In Wien sind nur 5,1 Prozent der Familien Patchworkfamilien, während der landesweite Durchschnitt bei 7,9 Prozent liegt. Zudem wohnen 27,4 Prozent der 25- bis 29-Jährigen bei ihren Eltern, was unter dem EU-Schnitt von 41,4 Prozent liegt.
In Deutschland hingegen zeigen die Zahlen aus 2022, dass 390.700 Paare heirateten. Der Durchschnitt der Ehen aller geschiedenen Paare betrug 15 Jahre und 1 Monat, was auch die allgemeine Stabilität und die Herausforderungen, die Paare über Jahre hinweg durchleben, wiederspiegelt. Ein signifikanter Aspekt ist die Tatsache, dass 80 Prozent der Ehen nach einer Trennungszeit von einem Jahr geschieden wurden. Diese Aspekte machen deutlich, dass sowohl in Deutschland als auch in Österreich der Trend zu sinkenden Scheidungsraten nicht notwendigerweise an steigender Lebenszufriedenheit in Ehen gekoppelt ist.
Die demografischen Veränderungen, wie die Geburtenrate, die in Österreich auf 1,31 fiel, während sie bei Müttern mit ausländischer Staatsbürgerschaft 1,58 betrug, verdeutlichen ebenfalls die sozialen Dynamiken, die die Eheschließungen und Scheidungen beeinflussen. Diese Trends bieten eine spannende Grundlage für weiterführende Diskussionen über die Entwicklung der Ehe und Scheidung in beiden Ländern, und die Rolle, die Zuwanderung und wirtschaftliche Faktoren dabei spielen.
Insgesamt zeigen die Entwicklung der Eheschließungen und Scheidungen sowohl in Österreich als auch in Deutschland, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen signifikante Auswirkungen auf die Ehe- und Familienstruktur haben. Die Diskussion über diese Themen bleibt entscheidend für die Zukunft der sozialen Politiken in beiden Ländern.