Am 20. Jänner 2026 hat die von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Wehrdienstkommission ihren Bericht vorgelegt. Die Kommission, unter dem Vorsitz von Erwin Hameseder, empfiehlt eine umfassende Verlängerung des Wehrdienstes auf acht Monate, ergänzt durch zwei Monate verpflichtende Milizübungen. Diese Entscheidung fiel mit nur einer Gegenstimme und soll die militärische Reaktionsfähigkeit des Bundesheeres verbessern, das derzeit nicht voll einsatzfähig ist. Das bestehende Modell sieht einen sechsmonatigen Präsenzdienst vor, der nun überarbeitet werden soll. Laut Dolomitenstadt sind auch Anreize sowie weitere Modelle in die Überlegungen eingeflossen.

Die Wehrdienstkommission hat ein zweites Modell, das sogenannte „Stufenmodell“, entwickelt, welches sechs Monate Grundwehrdienst mit 60 Tagen Milizübungen vorsieht, gefolgt von weiteren 40 Tagen. Ein drittes Modell orientiert sich am „Schweizer Modell“ und sieht vier Monate Grundwehrdienst und 140 Tage Milizübungen vor, wurde jedoch nicht favorisiert. Allgemein haben alle drei Modelle eine längere Dienstzeit zur Folge. Darüber hinaus soll auch der Zivildienst auf zwölf Monate verlängert werden, wie Pfleger berichtet.

Hintergründe und politische Reaktionen

Die Wehrpflicht in Österreich besteht seit 1866 und betrifft männliche Staatsbürger zwischen 17 und 50 Jahren. Männer, die tauglich sind, müssen einen sechsmonatigen Wehrdienst oder einen neunmonatigen Zivildienst leisten. In der gegenwärtigen Diskussion über eine mögliche Verlängerung der Wehrpflicht sind auch Frauen ins Spiel gekommen, allerdings könnte eine Einführung nicht vor 2030 realistisch sein. Laut Wikipedia ist eine Diskussion über die Wehrpflicht und das mögliche Einbeziehen von Frauen wieder aufgeflammt.

Verteidigungsministerin Tanner hat sich bisher zurückhaltend gegenüber einer Verlängerung des Wehrdienstes gezeigt. Sie unterstützt jedoch die Wiedereinführung der Milizübungen. Die FPÖ spricht sich entschieden für die Verlängerung aus, während in den Reihen der ÖVP und der SPÖ Skepsis vorhanden ist. Insbesondere die SPÖ lehnt eine Wehrpflicht für Frauen ab, befürwortet jedoch freiwillige Dienstpflichten.

Die Wehrdienstkommission hat zudem gefordert, dass eine politische Entscheidung zur Verlängerung des Wehrdienstes bis Ende des zweiten Quartals 2024 getroffen werden sollte. Dabei ist eine notwendige Änderung der Verfassungsbestimmung zum Wehrersatzdienst unerlässlich. Neben der unmittelbaren Verlängerung des Wehrdienstes sollen auch zwei Entwicklungsmodelle vorgestellt werden, die eine generelle Dienstpflicht für alle Geschlechter im Falle einer verschärften Sicherheitslage vorsehen.

Die Kommission hat in ihren 13 Sitzungen insgesamt etwa 50 Empfehlungen herausgearbeitet, darunter die gesetzliche Wiedereinsetzung der verpflichtenden Milizübungen. Laut den aktuellen Verteilung bieten 55 Prozent der tauglichen Männer Präsenzdienst an, während 45 Prozent ihren Dienst als Zivildienst leisten. Eine Umfrage im April 2023 zeigte, dass 65 Prozent der Österreicher für die Beibehaltung der Wehrpflicht sind.