Vorarlberg hat kürzlich eine wesentliche Änderung in der Besetzung seiner Notarzt-Einsatzfahrzeuge (NEF) angekündigt. Ab sofort werden die Fahrzeuge nur noch mit einem Notarzt oder einer Notärztin sowie einem Sanitäter oder einer Sanitäterin besetzt. Diese Entscheidung wurde von der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) als Teil von Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen formuliert. Zuvor war es Standard, dass auch ein diplomiertes Pflegepersonal im Einsatz war. Die KHBG beruft sich auf die Praxis in anderen Bundesländern, wo kein Pflegepersonal in Notarzt-Einsätzen eingesetzt wird, und hebt hervor, dass auch an den Standorten Hohenems, Bludenz sowie beim Notarzt-Hubschrauber kein diplomiertes Pflegepersonal mehr vertreten sein wird.
Die Verkündung der Änderung erfolgte überraschend per E-Mail am Freitagnachmittag, was bei den Pflegekräften auf erheblichen Unmut stieß. In einem offenen Brief an die Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und den KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch äußern die NEF-Teams ihre Sorgen über den potenziellen Verlust bewährter Qualitätsstandards im Notarzteinsatz. Pflegekräfte betonen, dass insbesondere junge Ärztinnen und Ärzte häufig Notarztdienste übernehmen, wodurch erfahrenes Pflegepersonal an der Seite wichtig ist.
Unsicherheiten und Vorschläge für Änderungen
Im offenen Schreiben schlagen die Pflegekräfte alternative Einsparmaßnahmen vor, darunter die Bündelung ärztlicher Notarztstützpunkte und den Ausbau eines flächendeckenden Acute-Community-Nurse-(ACN)-Netzes. Diese Vorschläge zielen darauf ab, die Verfügbarkeit und Qualität der Notfallversorgung zu sichern, während gleichzeitig die erforderlichen finanziellen Einsparungen erzielt werden.
Die Diskussion um die finanzielle eigentlich Notfallversorgung wird durch die geplante Notfallreform auf Bundesebene verstärkt. Diese Reform könnte nach Prognosen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) jährlich rund 1,3 Milliarden Euro einsparen. Die Einsparungen sollen durch verbesserte Patientensteuerung und eine bedarfsgerechte Inanspruchnahme von Notdiensten, einschließlich des Rettungsdienstes, realisiert werden. Erste Einsparungen könnten möglicherweise bereits 2027 eintreten, während das volle Einsparpotenzial nach jetzigen Planungen erst im Jahr 2031 zu erwarten ist.
Ein zentraler Aspekt der Reform ist der Ausbau eines Gesundheitsleitsystems, das die Notrufnummern 112 und 116117 digital verbindet und eine Ersteinschätzung für Anrufer ermöglicht. Zudem sind die flächendeckenden Integrierten Notfallzentren (INZ) vorgesehen, die verschiedene Versorgungsstellen bündeln sollen. Hierbei wird auch die Notwendigkeit einer Reduzierung der stationären Krankenhausaufnahmen nach Rettungsdiensteinsätzen gesehen, um gesonderte Einsparungen von 240 Millionen Euro pro Jahr zu erzielen.
Die Meinungen über diese Reform sind jedoch gespalten. Kritik kommt sowohl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als auch vom Marburger Bund (MB), der die Einsparungen skeptisch hinterfragt. Auch die Björn Steiger Stiftung fordert eine bundesweite Qualitätssteuerung und einheitliche Leitstellen, um die Patientenversorgung in Notfällen zu gewährleisten.
Die Entwicklungen in Vorarlberg und die drohenden finanziellen Herausforderungen auf Bundesebene verdeutlichen die aktuellen Spannungen im Gesundheitssystem. Während Einsparungen als notwendig erachtet werden, stehen die Fragen der Patientenversorgung und der Qualitätssicherung im Raum.
Für detailliertere Informationen über die Notarzt-Einsatzfahrzeuge in Vorarlberg und die damit verbundenen Veränderungen, siehe vol.at. Weitere Berichte zur Situation finden Sie bei vorarlberg.orf.at und zur bundesweiten Notfallreform unter aerzteblatt.de.