Die US-Regierung hat auf der Grundlage einer Klage der US-Kommission für Gleichstellung am Arbeitsplatz (EEOC) Schritte unternommen, um gegen den Sportartikelhersteller Nike vorzugehen. Die Kommission, unter der Leitung von Andrea Lucas, fordert ein Gericht auf, eine Vorladung gegen Nike wegen angeblicher Diskriminierung weißer Arbeitnehmer durchzusetzen. In der Klage wird behauptet, dass Nike durch Diversitäts- und Gleichstellungsinitiativen gezielt weiße Beschäftigte benachteiligt hat. Dies umfasst Vorgaben, die eine Besetzung von 30 Prozent der Führungspositionen mit Minderheiten vorschreiben sollen.

Die EEOC hat festgestellt, dass Nike relevante Informationen nicht vollständig bereitgestellt hat. Die Vorwürfe wurden nicht von Nike-Mitarbeitern erhoben, sondern entstanden durch eine eigenständig eingereichte „Commissioner’s Charge“ von Lucas im Mai 2024. Das Unternehmen hat jedoch bereits „tausende Seiten an Informationen“ übermittelt und bezeichnete das Verfahren der EEOC als „überraschende und ungewöhnliche Eskalation“. Nike betont, umfassend und in gutem Glauben an der Untersuchung beteiligt zu sein.

Hintergrund und Relevanz der Untersuchung

Diese Entwicklungen sind Teil einer breiteren politischen Initiative, die von der Trump-Regierung vorangetrieben wird, um Diversity-, Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme (DEI) zu überprüfen. Präsident Trump hat diese DEI-Programme in der Vergangenheit kritisch betrachtet und eine „farbenblinde“ Herangehensweise an die Beschäftigungspraktiken gefordert. Die EEOC, die 1964 gegründet wurde, um Diskriminierung von Schwarzen zu bekämpfen, steht nun im Mittelpunkt dieser Kontroversen. Lucas, die im Jahr 2025 von Trump zur Vorsitzenden ernannt wurde, rief kürzlich weiße Männer dazu auf, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu melden.

Die Debatte über Diskriminierung im Arbeitsleben ist intensiv und erreicht viele Branchen in den USA. Nach aktuellen Statistiken verdienen weiße Haushalte im Durchschnitt zehnmal so viel wie schwarze Haushalte, während Frauen nur 85 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen erhalten. Diese Ungleichheiten werfen Fragen über die Integrität von DEI-Programmen auf und deren potenzielle Auswirkungen auf die Gleichheit der Beschäftigung.

Kritik und Akzeptanz von DEI-Programmen

Kritiker argumentieren, dass solche Programme das Leistungsprinzip untergraben und zu „umgekehrter Diskriminierung“ führen könnten. Andrea Lucas hat in diesem Zusammenhang erklärt, dass viele gängige DEI-Programme möglicherweise rechtswidrig seien. Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Nike sich gegen umfassende Anordnungen gewehrt hat und es an der EEOC liegt, diese Vorwürfe zu klären.

Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus 2022, durchgeführt von Dr. Annette Icks und anderen, zeigt, dass große Unternehmen besser in der Umsetzung von Antidiskriminierungsmaßnahmen sind als kleinere. Obwohl die Risiken einer Diskriminierung bekannt sind, gibt es Hürden und ungleiche Umsetzungspraxis, insbesondere in Bezug auf DEI-Standards, die seit der Obama-Ära in der US-Bundesverwaltung eingeführt wurden.

Die EEOC führt nun Ermittlungen durch, um zu klären, ob Nike in der Tat überproportional weiße Arbeitnehmer diskriminiert hat oder ob die Maßnahmen zur Förderung der Diversität möglicherweise unverhältnismäßig ausgelegt wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung könnten weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmenspolitik großer Firmen in den USA haben und das Verhältnis zwischen Diversität und Gleichbehandlung neu definieren.

In Anbetracht der Schwere dieser Vorwürfe und der politischen Relevanz ist die Aufmerksamkeit auf diesen Fall nicht nur für Nike, sondern für die gesamte Arbeitswelt in den USA von entscheidender Bedeutung.