In Österreich sind derzeit 14,3 Prozent der Bevölkerung armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Dies zeigt, dass trotz herausfordernder Zeiten wie der Coronakrise, der Inflation und einer allgemeinen Wirtschaftsflaute der Anteil der Betroffenen kaum verändert blieb. Besonders stark betroffen sind Alleinerziehende und Familien mit drei oder mehr Kindern, von denen fast ein Drittel unter der Armutsgefährdungsschwelle lebt. Diese Information wird von der Vienna.at berichtet.
Die Armutsgefährdung selbst betrifft Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des Median-Jahreseinkommens beträgt. Bei den 1,6 Millionen Einpersonenhaushalten haben über 25 Prozent weniger als 1.661 Euro pro Monat zur Verfügung. Dies verdeutlicht die Herausforderungen, denen viele Menschen in der Gesellschaft gegenüberstehen. Die jüngsten Statistiken zeigen zudem, dass in absoluten Zahlen die Zahl der armutsgefährdeten Personen von 1,24 Millionen im Jahr 2018 auf rund 1,29 Millionen im Jahr 2024 gestiegen ist.
Besonders gefährdete Gruppen
Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet, wie der Zehnte Familienbericht der Bundesregierung feststellt. Im Jahr 2021 waren 72 Prozent der alleinerziehenden Mütter und 79 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern erwerbstätig, doch ihr Äquivalenzeinkommen liegt deutlich unter dem von Paarfamilien. Ein Drittel der Alleinerziehenden hatte 2021 ein jährliches Nettoäquivalenzeinkommen von unter 16.300 Euro, während dieser Anteil bei Paarfamilien nur bei 19,4 Prozent lag. Diese Situation wird auch durch den Bericht auf Bundestag.de hervorgehoben.
Besonders gefährdet sind alleinerziehende Frauen ohne Hochschul- oder Berufsabschluss sowie Familien mit einem jüngsten Kind unter drei Jahren. Das Armutsrisiko ist hier signifikant erhöht. Maßnahmen zur verbesserten Unterstützung durch das Sozialleistungssystem werden als notwendig erachtet, um insbesondere alleine Erziehenden zu helfen.
Gesamtgesellschaftliche Herausforderungen
Ein weiteres alarmierendes Ergebnis ist der Anstieg der materiellen und sozialen Benachteiligung, der von 2,8 Prozent im Jahr 2018 auf 3,7 Prozent im Jahr 2024 gestiegen ist. Diese Personen leiden unter erheblichen Einschränkungen, wie etwa unzureichenden Ressourcen für grundlegende Dinge wie Urlaub oder pünktliche Mietzahlungen. Bei Haushalten mit Kindern liegt der Anteil an materiell und sozial benachteiligten Personen bei 3,8 Prozent, während dieser Wert bei kinderlosen Haushalten bei 3,6 Prozent liegt. Im EU-Durchschnitt sind es 6,4 Prozent, wobei die höchsten Anteile in Rumänien, Bulgarien und Griechenland verzeichnet werden. Diese Erkenntnisse stammen aus einer umfassenden Analyse der Statistik Austria.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass trotz des soliden Funktionierens des Sozialstaates in Österreich, wie Martin Schenk von der Armutskonferenz anmerkt, erheblicher Handlungsbedarf besteht, um die Lebensqualität von armutsgefährdeten Gruppen zu verbessern. Die Berücksichtigung individueller Lebensumstände und Ausgaben ist ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Armutsproblematik in Österreich.