Bei den Tiroler Schützenkompanien hat eine Abstimmung über die Zulassung von Frauen als Gewehrschützinnen stattgefunden, die klar für die Beibehaltung traditioneller Strukturen ausfiel. Wie Dolomitenstadt berichtet, stimmten nur 13 Prozent der Mitglieder für eine Änderung, während 86,96 Prozent gegen die Zulassung votierten. Der Beschluss, der am 21. Jänner 2026 veröffentlicht wurde, resultiert aus einer Briefwahl, die zwischen dem 1. Dezember 2025 und dem 15. Jänner 2026 stattfand. Von insgesamt 322 wahlberechtigten Personen gaben 299 ihre Stimme ab, wovon 38 für die Aufnahme von Frauen als aktive Gewehrschützinnen stimmten.
Die Debatte um die Rolle von Frauen in den Schützenkompanien wurde im Jahr 2025 angestoßen, als zwei Kompanien Anträge zur Zulassung von Frauen einreichten. Thomas Saurer, der Landeskommandant der Tiroler Schützen, bezeichnete das Abstimmungsergebnis als klaren demokratischen Auftrag zur Beibehaltung traditioneller Werte. Der Bund der Tiroler Schützenkompanie argumentiert, dass die bestehende Rollenverteilung von Schützen als „Verteidiger“ und Marketenderinnen als „Bewahrerin“ eine bewusste und historische Entscheidung darstellt. Women sind jedoch als Marketenderinnen im Schützenwesen anerkannt und können alle Vereinsfunktionen ausüben, allerdings nicht als aktive Gewehrschützinnen teilnehmen.
Tradition vs. Fortschritt
Fast 87 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder lehnten die Zulassung von Frauen ab, was bei den kritischen Stimmen für Enttäuschung sorgte. Wie t-online berichtete, kritisierten Politiker von NEOS, Grünen und SPÖ die Entscheidung als Rückschritt. Birgit Obermüller von NEOS forderte eine Weiterentwicklung der Traditionen und eine gleichmäßige Teilhabe von Frauen. Auch Zeliha Arslan von den Grünen äußerte Bedauern über die fehlende Fortschrittlichkeit und sah die Schützenkompanie in einer Vorreiterrolle für Gleichberechtigung.
Im Rahmen des Diskussionsprozesses, der der Abstimmung vorausging, fanden in den vier Tiroler Vierteln sogenannte „Viertel-Bildungstage“ statt. Diese mündeten in die Formulierung von neun Thesen zur Meinungsbildung, die unterstrichen, dass die „Tradition Vorrang vor dem Zeitgeist“ habe. Zudem wurde festgestellt, dass das bestehende Problem des Nachwuchsmangels durch die Zulassung von Gewehrschützinnen nicht gelöst werden könne. Der Dachverband der Schützen erläuterte, dass die historische Rollenverteilung eine bewusste Rollenkomplementarität darstelle.
Der historische Kontext
Die Tiroler Schützen haben eine lange Tradition, die bis ins Spätmittelalter zurückreicht. Sie entstanden zum Schutz der bäuerlichen Bevölkerung, während Marketenderinnen erst im 18. und 19. Jahrhundert als wichtige Unterstützung für die männlichen Schützen hinzugefügt wurden. In der aktuellen Diskussion über die Geschlechterrollen im militärischen und zivilen Bereich, wie die Debatte über die Wehrpflicht für Frauen, wird der Widerspruch deutlich. Selma Yildirim von der SPÖ forderte, dass jeder, der will, auch dürfen sollte, und rief dazu auf, die Geschlechterrollen zu überdenken und anzupassen.