In einer bedeutenden Abstimmung haben die Tiroler Schützenkompanien entschieden, dass Frauen weiterhin nicht als Gewehrschützinnen ausrücken dürfen. Stattdessen dürfen sie lediglich als Marketenderinnen in den Reihen der Kompanien tätig sein. Diese Entscheidung fiel nach der Auszählung der Briefwahlstimmen am Dienstag, dem 21. Jänner 2026. Alle 235 Mitgliedskompanien hatten die Möglichkeit, an der geheimen Briefwahl teilzunehmen, bei der die Wahlbeteiligung bei rund 92 Prozent lag. Knapp 87 Prozent der Stimmen sprachen sich gegen eine Änderung der Statuten aus, die eine Erlaubnis für Frauen im Kampfbereich ermöglicht hätte, was bedeutet, dass die bisherigen Regelungen beibehalten werden.
Thomas Saurer, der Landeskommandant, erklärte, dass das Ergebnis zu akzeptieren sei und das Thema für ihn damit erledigt sei. Trotz der fehlenden militärischen Ränge können Frauen in den Tiroler Schützenkompanien dennoch Funktionen wie Obfrau oder Kassierin übernehmen. Diese Debatte über die Rolle von Frauen in den Schützenkompanien wurde bereits im vergangenen Sommer von zwei Schützenkompanien angestoßen und durch basisdemokratische Abstimmungen weitergeführt, um die Meinungen der Mitglieder zu sammeln. Im Herbst fanden zudem Viertel-Bildungstage statt, an denen 359 Mitglieder teilnahmen, darunter etwa ein Viertel Frauen. Die Ergebnisse dieser Diskussionen wurden in neun Thesen zusammengefasst, die den Mitgliedskompanien zur Entscheidungsfindung dienten.
Diskussion über Geschlechterintegration
Die militärische und politische Führung betrachtet Gleichstellung häufig als funktionalen Imperativ aufgrund von Rekrutierungsproblemen. Doch die damit verbundenen ethischen Herausforderungen sind komplex. Frauen im Militär erleben häufig Mobbing, Sexismus und sexuelle Belästigung, was auf eine mangelhafte interne Kultur und den Umgang miteinander hinweist. Die mangelnde Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Bedürfnisse und unzureichende Ausstattung, wie bei Hygieneprodukten oder Sicherheitstechnik, zeigt, dass noch viele Hürden zu überwinden sind, um Diversität und Inklusion zu fördern.
Um die Akzeptanz von Frauen im Militär zu erhöhen, wären tiefgreifende Anpassungen in der militärischen Kultur notwendig. Unpassende Ausrüstung und unethische Führung untergraben Teamgeist und Vertrauen, was die Integration von Frauen weiter erschwert. Der Einsatz von Frauen in militärischen Positionen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Effektivität der Streitkräfte; mangelnde Diversität wird zunehmend als Nachteil erkannt.
Die Tiroler Schützenkompanien stehen somit nicht allein in ihren Entscheidungen. Die Herausforderungen, die Frauen in militärischen und paramilitärischen Strukturen begegnen, sind vielfältig und erfordern ein umfassendes Umdenken in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit. Wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, ist der Weg zur tatsächlichen Gleichstellung in vielen Organisationen noch lang und beschwerlich.
Für weitere Informationen zu dieser Thematik können interessierte Leser die Artikel auf Krone, ORF Tirol und Ethik & Militär besuchen.