Der Großbrand auf dem Gelände der Firma Rossbacher im August 2025 hat weitreichende Folgen für die Stromversorgung in der Region Lienz. Bei dem Brand wurden zwei Strommasten in der Nähe des Umspannwerks erheblich beschädigt. Laut den statischen Überprüfungen sind die betroffenen Masten aufgrund von Schnee- und Eislasten im Winter nicht mehr standfähig. Daher war schnelles Handeln erforderlich, um die Stabilität der Stromversorgung sicherzustellen.

Umgehend wurden provisorische Lösungen umgesetzt. Ein Mast auf der Südverbindung nach Soverzene in Italien wurde auf einem neuen provisorischen Mastfuß neben dem beschädigten Mast neu aufgebaut. Für den zweiten Mast, der zur Drautalleitung zwischen Lienz und Obersielach gehört, musste eine neue provisorische Leitung auf einer abgeänderten Trasse errichtet werden. David Kolm-Schandl von Austrian Power Grid (APG) erläuterte, dass vier provisorische Masten ohne festes Fundament auf Betongewichten montiert wurden.

Herausforderungen beim Aufbau

Die Arbeiten, die größtenteils unter laufendem Betrieb erfolgten, waren mit verschiedenen Schwierigkeiten verbunden. Während der Umlegung der Leiterseile blieb eine Seite der Leitung stets unter Strom, was zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderte. Die Bauarbeiten für das Leitungsprovisorium begannen im September 2025 und umfassten die Vorbereitung von vier Maststandorten sowie die Montage von 1,2 Kilometern neuen 220-kV-Leitungen.

Insgesamt waren 70 Sattelschlepper nötig, um 870 Tonnen Material nach Lienz zu transportieren. An einem kritischen Punkt musste eine Kreuzung mit der ÖBB-Bahntrasse nachts erfolgen, da Arbeiten über den Gleisen nur in der Dunkelheit durchgeführt werden durften. Um die provisorische Leitung im Umspannwerk anzuschließen, wurden ebenfalls Umbauten vorgenommen. Die Inbetriebnahme fand schrittweise statt: Anfang Dezember wurde das erste System eingebunden, und Mitte Dezember waren beide Systeme erfolgreich in Betrieb.

Brandursachen und Sicherheitsaspekte

Der Brand auf dem Gelände der Firma Rossbacher wirft auch wichtige Fragen zur Brandsicherheit auf. Laut dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) sind elektrische Ursachen die häufigste Brandursache, mit 30 Prozent der untersuchten Brände im Jahr 2024. Kabelbrände stellen eine besondere Gefahr dar und können durch Kabelbrüche sowie Überhitzung erzeugt werden. Die hohen Temperaturen führen dazu, dass die Isolation schmilzt, was Kurzschlüsse und damit potenziell gefährliche Lichtbögen zur Folge haben kann.

Vor allem im privaten Sektor sind Kabelbrände ein erhöhtes Risiko. Haushalte sind oft weniger gut gewappnet, da keine gesetzlichen Prüfverpflichtungen für elektrische Geräte bestehen. Mit 26 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Deutschland bleibt das Risiko von Überlastungen, insbesondere bei Verwendung von Steckdosenleisten, oft unbemerkt und kann zu Schwelbränden führen. Daher ist es wichtig, regelmäßige Kontrollen durchzuführen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen die Kontrolle defekter Gerätekabel, die Vermeidung von Überlastungen und die Beachtung der Nennleistungen bei Wechsel von Leuchtmitteln. Zudem sollte stets ein funktionstüchtiger Feuerlöscher oder ein Feuerlöschspray im Haushalt vorhanden sein. Diese Maßnahmen können helfen, das Risiko von Kabelbränden erheblich zu reduzieren und zur Sicherheit in den eigenen vier Wänden beizutragen.

Die Hochspannungsleitung durch das Drautal bleibt damit eine zentrale und sicherheitsrelevante Verbindung im österreichischen Übertragungsnetz, deren Stabilität und Sicherheit auch in Zukunft höchste Priorität haben sollte. Weitere Informationen zu den Brandschutzmaßnahmen sind auf den Seiten von ORF Tirol und TÜV Süd verfügbar.