Die aktuellen Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Innsbruck geben neue Hoffnung für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Am 27. November 2025 wurde bekannt, dass die Studie den Wert des Gesamtmoleküls Calprotectin sowie dessen Untereinheiten im Stuhl von Patienten untersucht. Calprotectin, ein klassischer Marker für Darmentzündungen, zeigt erhöhte Werte bei Entzündungen an. Die unter Leitung von Herbert Tilg durchgeführte Studie hat herausgefunden, dass die Untereinheiten S100A8 und S100A9 genauere Informationen über das Krankheitsbild liefern können. Diese Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Therapieansätze führen.

Insgesamt analysierte die Arbeitsgruppe Stuhlproben von fast 700 Patienten, um die Rolle von Calprotectin und seinen Untereinheiten in der Diagnose und der Krankheitsüberwachung besser zu verstehen. Sie entdeckten auch Homodimere, die aus zwei identischen Eiweißbausteinen bestehen. Besonders bemerkenswert war der Auffindungs von erhöhten Werten von S100A9 bei einigen Patienten, während die Gesamtwerte von Calprotectin unauffällig blieben. Dies lässt darauf schließen, dass S100A9 möglicherweise als zusätzlicher Marker für die Krankheitskontrolle genutzt werden könnte.

Innovative Ansätze in der CED-Forschung

Die Forscher planen eine Folgestudie, um S100A8 und S100A9 gezielt zu hemmen. Vorläufige Ergebnisse aus experimentellen Versuchen deuten darauf hin, dass Behandlungen mit diesen Untereinheiten Darmentzündungen sogar verschlimmern können. Interessanterweise konnte eine genetische Ausschaltung von S100A9 vor entzündlichen Erkrankungen schützen, während eine medikamentöse Hemmung von S100A9 positive Effekte bei chronischer Kolitis zeigte.

In Österreich sind etwa 75.000 Menschen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffen, mit einer erwarteten Steigerung auf etwa 1% der Bevölkerung bis 2030. Weltweit sind rund 20 Millionen Menschen an diesen Erkrankungen erkrankt, die häufig in der zweiten und dritten Lebensdekade diagnostiziert werden und die Patienten bis ins hohe Alter begleiten.

Die Rolle von Calprotectin in der Diagnostik

Calprotectin ist ein Biomarker, der hauptsächlich von Neutrophilen im Körper freigesetzt wird, insbesondere während Immunaktivierungen. Es spielt eine zentrale Rolle in der Diagnose und Überwachung von CED, wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Diese Erkrankungen stellen sowohl für Patienten als auch für medizinisches Fachpersonal erhebliche Herausforderungen dar.

Die Messung von Calprotectin im Stuhl ermöglicht es, zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Darmerkrankungen zu differenzieren. Dies hilft, den Entzündungsgrad zu beurteilen und die Krankheitsaktivität zu überwachen. Zu den Vorteilen der Calprotectin-Bestimmung zählen die nicht-invasive Methode, die hohe Sensitivität und Spezifität sowie die Möglichkeit zur frühzeitigen Erkennung von Rezidiven, bevor klinische Symptome auftreten.

Forschungsergebnisse zu CED und Calprotectin zeigen das Potenzial für neue Behandlungsansätze und personalisierte Medizin. Innovative Medikamente, einschließlich Biologika und kleine Moleküle, zielen darauf ab, die entzündliche Aktivität zu reduzieren und die Calprotectin-Werte zu normalisieren. Dennoch gibt es Herausforderungen bei der Implementierung solcher therapiebasierten Ansätze, da die Variabilität der Calprotectin-Werte eine individuelle Herangehensweise erfordert.

Mit den jüngsten Erkenntnissen über die Bedeutung von Calprotectin in der Behandlung von CED könnte sich die medizinische Versorgung für Patienten erheblich verbessern. Die Studie wird in Kürze im Fachjournal „Gastroenterology“ veröffentlicht und bietet somit einen vielversprechenden Ausblick auf zukünftige Forschungsarbeiten.

Für weitere Informationen über die Rolle von Calprotectin und die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen lesen Sie die Berichterstattung auf Dolomitenstadt, PMC und SHG Oberberg.