Die Telemedizin gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz, einer Erkrankung, die in Österreich etwa 300.000 Menschen betrifft, darunter rund 11.000 in Vorarlberg. Insbesondere bei älteren Menschen über 75 Jahren ist ein Anstieg der Krankheitsfälle bemerkbar, bedingt durch die steigende Lebenserwartung. Ein neues telemedizinisches Angebot, das unter anderem die Schulung und das Selbstmanagement von Patienten umfasst, wurde am 20. Jänner 2026 vorgestellt. VOL.AT berichtet über den Vortrag von Oberarzt Philipp Hörmann und DGKP Lara-Marie Hofmann, der online und kostenfrei zugänglich ist.

Herzinsuffizienz, die vorwiegend durch akute Herzinfarkte, chronische Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck sowie Herzmuskelentzündungen und -klappenerkrankungen verursacht wird, kann anfangs unspezifische Symptome hervorrufen, die sich im Verlauf der Erkrankung verstärken. Medikamente können den Verlauf positiv beeinflussen, jedoch ist eine vollständige Heilung nicht möglich. Am LKH Feldkirch wird ein Team von fünf Herzinsuffizienz-Nurses eingesetzt, das auch telemedizinisch arbeitet, um Patienten umfangreich abzuklären und zu behandeln.

Telemedizinische Fortschritte in der Patientenversorgung

Im Rahmen eines neuen Projekts erhalten Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllen, ein Geräteset zur täglichen Messung ihrer Vitalparameter und Körpergewichts über drei Monate. Diese Daten werden direkt an eine HerzinsuffizienzNurse übermittelt, die bei Verschlechterungen umgehend reagieren kann. So können gefährliche Entwicklungen frühzeitig erkannt und behandelt werden, was die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert. Die Herzstiftung hebt hervor, dass telemedizinische Systeme bereits in Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt haben.

Eine Studie unter der Leitung von Professor Dr. med. Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg zeigt, dass durch die Implantation eines Sensors in die Lungenarterie die Anzahl der Krankenhauseinweisungen um über 60 % reduziert werden konnte. Auch die Sterblichkeit von Hochrisikopatienten im Verlauf von einem Jahr war mit 14 % relativ niedrig. Darüber hinaus berichteten 98 % der Patienten über funktionierende Sensoren und Messgeräte.

Studien und deren Ergebnisse

Zusätzlich zur Würzburger Studie fand die TIM-HF2-Studie zur telemedizinischen Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten in Deutschland statt. Das Deutsche Herz-Zentrum Charité beschreibt, dass spezielle Messgeräte täglich Gesundheitswerte an ein Telemedizinisches Zentrum übertragen. Bei Auffälligkeiten reagiert das Team sofort und passt die Therapie an. Die Studie zeigt, dass Patienten, die weiter von ihrer kardiologischen Praxis entfernt leben, signifikant mehr von der telemedizinischen Betreuung profitieren, da in ländlichen Regionen die Sterblichkeit häufig höher ist.

Die Ergebnisse, die am 18. Mai 2025 auf dem Heart Failure Congress der European Society of Cardiology präsentiert wurden, belegen die positive Auswirkung telemedizinischer Ansätze auf die Behandlung von Herzinsuffizienz-Patienten. Der Zugriff auf sofortige Betreuung und Anpassung der Therapie führt zu einer besseren Patientenversorgung und könnte zukünftig eine noch größere Rolle im Gesundheitswesen spielen.