Die Arbeiterkammer Wien (AK) warnt vor den suchtgefährdenden Designs von Social-Media-Plattformen. Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz, betont, dass Erwachsene oft Schwierigkeiten haben, ihre Nutzung zu kontrollieren. Die Designs sind gezielt darauf angelegt, Nutzer möglichst lange an die Apps zu binden, was durch Funktionen wie endloses Scrollen, Auto-Play und Push-Notifications unterstützt wird. Eine aktuelle Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) hat das Suchtpotenzial von TikTok und Instagram untersucht, wobei TikTok mit 44 und Instagram mit 40 von insgesamt 55 Kriterien als besonders bedenklich eingestuft wurde. Zgubic fordert dringend regulatorische Maßnahmen, um diese riskanten Design-Merkmale einzudämmen. Gleichzeitig wird diskutiert, dass die Geschäftsstrategie von Social-Media-Plattformen stark vom Suchtverhalten ihrer Nutzer abhängt, was nicht nur in sozialen Medien, sondern auch in anderen digitalen Bereichen zu beobachten ist.
Angesichts der alarmierenden Zahlen sind zahlreiche Länder dabei, strengere Regeln oder sogar ein Verbot von Social Media für Minderjährige zu prüfen. In Österreich hat Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) einen Gesetzentwurf zur Altersbeschränkung angekündigt, der bis zum Sommer umgesetzt werden soll. Allerdings ist die Überprüfung solcher Altersbeschränkungen eine Herausforderung: Sensible Daten werden verarbeitet, was Missbrauchspotenzial birgt. Ein gängiges Verfahren ist etwa die Überprüfung von Selfies im Abgleich mit Lichtbildausweisen.
Die Notwendigkeit eines Mindestalters
Die Arbeiterkammer spricht sich für ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien aus. Allerdings sieht Zgubic diese Maßnahme nicht als alleinige Lösung. Sie fordert klarere Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, einschließlich eines Verbots von „Addictive Designs“, transparenter Algorithmen und einer datensparenden Altersfeststellung. Nutzer sollten die Kontrolle über ihre Zeit zurückerhalten und nicht gezwungen sein, täglich auf die Apps zuzugreifen. Gleichzeitig ermutigt die AK Eltern, aktiv mit ihren Kindern über die Nutzung sozialer Medien zu sprechen und entsprechende Regelungen aufzustellen.
In Deutschland zeigt eine aktuelle Studie, dass immer mehr Jugendliche Schwierigkeiten haben, sich von sozialen Medien zu lösen. Laut der DAK und des UKE sind über 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen mediensuchtgefährdet, was einen alarmierenden Anstieg von 126 Prozent seit der Corona-Pandemie darstellt. Toni Nolde, 25, aus Berlin, berichtet von ihrer eigenen Erfahrung und betont, dass Verbote allein nicht ausreichen. Sie fordert außerdem mehr Aufklärung und Schutzräume für suchtgefährdete Jugendliche.
Internationale Entwicklungen
In Australien wird ein Verbot von Social Media für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zum 10. Dezember 2025 geplant. Auch in Deutschland wird im Bundestag über ein entsprechendes Verbot diskutiert. Verena Holler von der Elterninitiative „Smarter Start“ hat über 250.000 Unterschriften für die Petition „Social Media ab 16“ gesammelt, die ein gesetzliches Mindestalter für kommerzielle Plattformen fordert. Skalierende darauf sind die aktuellen Herausforderungen im Umgang mit Social Media, die sowohl in Österreich als auch international immer mehr Beachtung finden.
Die Entwicklungen zeigen, dass eine gesunde Mediennutzung bei Jugendlichen ein zunehmend wichtiges Thema ist, das nicht nur im familiären Umfeld, sondern auch auf politischer Ebene angegangen werden muss. Es bedarf umfassender Ansätze, um das Problem der Medienabhängigkeit einzudämmen und die Nutzer von Social Media zu schützen.
Weitere Informationen hierzu finden Sie auf kleinezeitung.at, wien.orf.at und tagesschau.de.