Am 21. Jänner 2026 beginnt am Wiener Straflandesgericht der größte Spionage-Prozess in Österreich seit Jahrzehnten. Angeklagt ist Egisto Ott, ehemaliger Chefinspektor im aufgelösten Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Ott steht im Fokus der Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs und nachrichtendienstlicher Tätigkeit zugunsten Russlands. Er bestreitet die Vorwürfe vehement.
Die Anklage, die insgesamt 172 Seiten umfasst, wirft Ott vor, im Zeitraum von 2015 bis 2020 sensiblen Zugriff auf Personendaten gehabt zu haben. Diese Daten hätten er und seine Mittäter, darunter der gesuchte Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek, ohne dienstlichen Auftrag abgefragt und weitergegeben. Zu den betroffenen Informationen zählen Diensthandys eines ehemaligen Kabinettschefs im Innenministerium und ein SINA-Laptop mit geheimdienstlichen Daten eines EU-Staates, die möglicherweise für das Regime im Iran bestimmt waren berichtete den Anspruch, grundlegende Prinzipien der nationalen Sicherheit verletzt zu haben.
Vorwürfe und Motive
Die Staatsanwaltschaft sieht in Otts Handlungen nicht nur einen schweren Verstoß gegen seine Amtspflichten, sondern auch finanzielle Motive. Es wird vermutet, dass Ott für die illegalen Datenabfragen und -übergaben Entgelte im drei- bis vierstelligen Euro-Bereich verlangt hat. Insbesondere wird ein Vorfall vom 12. Juni 2022 genannt, bei dem Ott Diensthandys an Mittäter des flüchtigen Marsalek übergeben haben soll erläutert die Schwere der Anschuldigungen.
Embryonale Ermittlungen gegen Ott laufen seit 2017, wobei immer mehr Beweise ans Licht kommen. Diese umfassen die Abfrage von Informationen über Christo Grozev, einen bulgarischen Journalisten, sowie die Erstellung einer „Fehleranalyse“ nach dem Berliner Tiergartenmord für den russischen Geheimdienst, die als Handlungsanleitung für zukünftige Auftragsmorde dienen sollte.
Prozessverlauf und internationale Aufmerksamkeit
Der Prozess, der voraussichtlich bis Anfang März 2026 angesetzt ist, wird hoher internationaler Aufmerksamkeit gewürdigt. Nach der Verlesung der Anklage wird Ott voraussichtlich am Donnerstag selbst Stellung nehmen. Die ersten Beschuldigteneinvernahmen sind für Freitag vorgesehen vermeldet dies die Nachrichtenlage.
Mit insgesamt zehn Verhandlungstagen stehen bald zahlreiche Zeuginnen und Zeugen bereit, um zum Thema Aussagen zu treffen. Ott selbst plant, seine Unschuld zu beweisen und bezeichnet die Vorwürfe als „konstruiert“. Dieser Prozess könnte weitreichende Konsequenzen für die Sicherheitslage in Österreich und die internationalen Beziehungen mit Russland haben.