Reinhard Haller, ein angesehener Gerichtspsychiater aus Vorarlberg, hat kürzlich sein neues Buch mit dem Titel „Über bösartiges Schweigen“ veröffentlicht. In diesem Werk thematisiert er die verheerenden Auswirkungen, die bösartiges Schweigen auf zwischenmenschliche Beziehungen und Karrieren haben kann. Laut Haller ist solches Schweigen oft der Auslöser für schwerste Verbrechen. Seine umfangreiche Erfahrung in der Untersuchung von Schwerstverbrechern im Auftrag der Justiz sind die Grundlage für seine tiefgehenden Analysen, die auch auf seiner früheren Bestseller-Literatur über die Gründe für grausame Taten basieren. Diese Werke befassen sich mit den zugrunde liegenden Beziehungskonstellationen und den damit verbundenen Emotionen. Krone.at berichtet über die wesentlichen Inhalte des neuen Buches.
Haller erklärt, dass Schweigen nicht nur destruktiv sein kann, sondern oft auch tiefere Ursachen hat, die es zu verstehen gilt. In vielen Fällen ist bösartiges Schweigen eine Art Machtspiel oder eine Form von Bestrafung. In diesem Kontext zeigt Haller auf, dass seine Erkenntnisse nicht nur für die Justiz relevant sind, sondern auch für die Allgemeinheit, da sie ursprünglich in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen.
Die Komplexität des Schweigens
Ein weiterer Aspekt dieses Themas wurde von Dr. med. Hannes Horter, Chefarzt der Oberberg Fachklinik Weserbergland, aufgegriffen. In einem Beitrag über die Wirkung des Schweigens, veröffentlicht am 24. August 2023, hebt er hervor, dass Schweigen in bestimmten Situationen auch positive Effekte haben kann. Hierzu gehören Momente, in denen es wichtig ist, dem Gegenüber Raum zu geben. Übermäßiges Klagen könne oft hinderlich sein, und in Zeiten der Reizüberflutung könne Schweigen beispielsweise durch Meditation oder Achtsamkeit einen heilsamen Effekt haben. Oberberg Kliniken bietet mehr Informationen zu diesen Aspekten.
Gleichzeitig warnt Horter vor den negativen Folgen von Schweigen, insbesondere in der Traumatherapie. Hier kann es Fälle geben, in denen es besser ist, zu sprechen und soziale Unterstützung sowie professionelle Begleitung einzuholen. Das Schweigen wird in diesen Kontexten nicht immer als heilsam wahrgenommen. Paul Watzlawick brachte es auf den Punkt: „Man kann nicht nicht kommunizieren“, was darauf hinweist, dass Schweigen auch als aggressiv wahrgenommen werden kann.
Toxisches Schweigen
Ein besonders schädliches Phänomen, das in den heutigen Kommunikationsformen an Bedeutung gewonnen hat, ist das sogenannte „Ghosting“. Dies beschreibt die plötzliche und oft unerklärte Unterbrechung des Kontakts, vor allem im Online-Dating. Die Hinterlassenschaften sind häufig gebrochene Herzen und seelische Wunden. Menschen mit narzisstischen Tendenzen könnten Schweigen als Bestrafung nutzen, während Ghosting oft eine Form der Konfliktvermeidung darstellt.
Um den negativen Auswirkungen von Schweigen entgegenzuwirken, rät Horter den Betroffenen, zu erkennen, dass das Schweigen oft mehr über den anderen als über sich selbst aussagt. Professionelle Hilfe wird empfohlen, insbesondere wenn Schweigen in Beziehungen häufig auftritt. Abgrenzung, Selbstfürsorge und der Austausch mit Experten spielen hierbei eine zentrale Rolle. Es ist auch ratsam, in Fällen von sozialem Rückzug oder depressiven Symptomen ärztlichen Rat einzuholen.
Die Diskussion über die tiefgründigen und mehrdimensionalen Auswirkungen des Schweigens ist aktueller denn je und zeigt, dass Haller und Horter beide wichtige Perspektiven zu einem Thema anbieten, das viele Menschen betrifft. Das Verständnis über die unterschiedlichen Formen und die tiefenpsychologischen Aspekte des Schweigens kann helfen, zwischenmenschliche Beziehungen zu verbessern und gegebenenfalls auch Verhaltensmuster zu ändern.
Für weitere Informationen zu Reinhard Haller und seinem Buch besuchen Sie bitte diese Seite.