Die Bundesregierung hat ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit vorgestellt. Im Fokus steht eine neue Industriestrategie, die nach einer Klausur in Mauerbach präsentiert wurde. Ziel dieser Strategie ist es, den Wirtschaftsstandort Österreich angesichts geopolitischer Unsicherheiten und steigender Energiepreise strukturell abzusichern. Am kommenden Freitag werden die Kernpunkte dieser Strategie von Wirtschaftsminister und Infrastrukturminister offiziell vorgestellt.
Ein zentrales Element ist die geplante Industriestromabsicherung für energieintensive Betriebe, die von 2026 bis 2029 gilt. Ab dem 1. Jänner 2027 soll der Industriestrompreis auf fünf Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden. Die jährlichen Kosten in Höhe von rund 250 Millionen Euro sollen durch einen zusätzlichen Budgetbeitrag der Energiewirtschaft finanziert werden. Diese Entlastung wird von der Regierung als massive Unterstützung für die heimische Industrie hervorgehoben.
Schlüsseltechnologien und Bürokratieabbau
Im Rahmen der neuen Strategie werden neun Schlüsseltechnologien definiert, in die bis 2029 insgesamt 2,6 Milliarden Euro investiert werden sollen. Zu diesen Technologien zählen unter anderem Künstliche Intelligenz, Quanten-, Energie- und Umwelttechnologien. Die Einführung eines Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes und die Neugestaltung von Lehrberufen und Schullehrplänen sind Teil der Maßnahmen, um den Fachkräftenachwuchs zu fördern.
Parallel dazu wird ein Bürokratieabbaupaket angestrebt, dessen Umsetzung bis zum Sommer 2026 erfolgen soll. Die Genehmigungsverfahren für Umweltverträglichkeitsprüfungen und den Ausbau erneuerbarer Energien sollen bis Ende Februar 2026 beschleunigt werden. Dies soll dazu beitragen, Hemmnisse für neue Unternehmen abzubauen und den strukturellen Wandel im Industriesektor zu fördern. Die Regierungsvertreter betonen, dass der Umbau des Energiesystems entscheidend ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie zu sichern.
Kritik und Herausforderungen
Während die Reaktionen aus der Industrie, Forschung und Energiebranche positiv sind, gibt es auch kritische Stimmen zur Finanzierung des Industriestrompreises. Oesterreichs Energie hat die Finanzierung durch die Energiewirtschaft zurückgewiesen. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) sieht die Maßnahmen als ersten Schritt zur Bekämpfung der hohen Energiepreise und des Fachkräftemangels.
Die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise auf die Wettbewerbsfähigkeit sind bereits spürbar. Ein aktueller FIW-Policy Brief belegt, dass die Gas- und Strompreise in Europa aufgrund der russischen Gasdrosselung und des Ukraine-Kriegs stark angestiegen sind, was negative Folgen für die Exporte der österreichischen Industrie hat. Empirische Simulationen zeigen signifikante Exportrückgänge, insbesondere in den Branchen Kraftwagen und pharmazeutische Produkte. Experten warnen, dass höhere Energiepreise unter Umständen Österreichs internationale Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft untergraben könnten.
Die Bundesregierung ist sich der Herausforderungen bewusst und plant, die energiestrategischen Schwerpunkte und den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, um eine nachhaltige Lösung für die Industrie zu finden. Eine wichtige Voraussetzung bleibt die Reinvestition von 50 Prozent der Fördersumme in Maßnahmen zur Dekarbonisierung.
Insgesamt zeigt die vorgestellte Strategien, dass die Regierung einen klaren Kurs in Richtung mehr Unterstützung für die Industrie und gleichzeitig einen Ausbau der Schlüsseltechnologien verfolgt. Weitere Details zur Umsetzung werden in den kommenden Tagen erwartet.
Für weitere Informationen können Sie die Artikel auf Leadersnet, Kleine Zeitung und IHS nachlesen.