Anastasia Potapova, die gebürtige Russin, hat sich im Tennis eine neue Heimat in Österreich gesucht. In ihrem ersten Grand-Slam-Debüt für das Land gewann die 24-Jährige heute in Melbourne gegen Suzan Lamens aus den Niederlanden mit 3:6, 7:5, 6:2. Damit zieht sie in die zweite Runde des Australian Open ein und wird die erste österreichische Spielerin seit 2023, die diese Phase eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Julia Grabher war zuvor die letzte Spielerin, die bei den French Open 2023 die erste Runde erfolgreich überstand. Potapova äußerte nach dem Spiel, wie sehr sie den Rückhalt in ihrer neuen Heimat schätzt, während sie sich mit einem Bruch im linken Zeigefinger auseinandersetzt, den sie in der Qualifikation zugezogen hatte. Überraschenderweise fühlt sie sich trotz dieser Verletzung nicht eingeschränkt.

Der Übergang von der Junioren- zur Profi-Tour war für Potapova alles andere als einfach. Sie hatte mit Verletzungen, Formschwankungen und Trainerwechseln zu kämpfen. In den letzten Jahren pendelte sie zwischen Erfolgen bei Challenger-Turnieren und frühen Niederlagen auf der WTA-Tour. Laut laola1.at thematisiert sie offen ihre mentale Erschöpfung und die Drucksituationen, die sie durchlebt hat. Viele Sportler stehen unter immensem Druck, was immer mehr Aufmerksamkeit auf die psychische Gesundheit im Spitzensport lenkt. Die sportschau.de hebt hervor, dass die Offenheit über mentale Probleme in den letzten Jahren zugenommen hat, obwohl der digitale Leistungssport noch viele Strukturen vermissen lässt.

Erfolge auf dem Weg nach oben

Trotz dieser Herausforderungen konnte Potapova in den letzten Jahren bedeutende Erfolge verbuchen. Ab 2022 gelang es ihr, ihr erstes WTA-Turnier in Istanbul zu gewinnen. Im Jahr 2023 erreichte sie mit Platz 21 ihre beste Weltranglistenposition und konnte ihren ersten großen Titel bei einem WTA-Turnier in Linz erringen. Ihre Spielweise ist geprägt von Aggressivität an der Grundlinie, wobei sie ein hohes Tempo anschlägt, das allerdings auch fehleranfällig ist. Insbesondere bei den Grand-Slam-Turnieren wusste sie in der Vergangenheit zu überzeugen und erreichte bei allen vier Turnieren mindestens die dritte Runde.

In Melbournes zweiter Runde trifft Potapova auf die als Nummer 28 gesetzte Britin Emma Raducanu. Ein Sieg könnte sie direkt in eine mögliche Begegnung mit der derzeitigen Weltranglistenersten Aryna Sabalenka führen. Im Kontext der österreichischen Tennisgeschichte ist es erwähnenswert, dass die letzte Österreicherin, die im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers stand, Tamira Paszek bei Wimbledon 2011 und 2012 war. Die Bedeutung mentaler Gesundheit wurde in den letzten Jahren zunehmend erkannt, wobei Initiativen und Projekte zur Unterstützung von Athleten im Bereich psychischer Belastungen an Bedeutung gewinnen, wie auch das Beispiel der Plattform „Mehr als Muskeln“ zeigt.

Abschließend lässt sich sagen, dass Potapova trotz ihrer Schwierigkeiten auf dem Weg zur Profi-Tour deutlich gewachsen ist. Mit einer veränderten Arbeitsweise und einem stabileren Umfeld zeigt sie nun ein gefährliches Potenzial auf dem Tennisplatz, wird aber auch von der Realität und dem damit einhergehenden Druck des Leistungssports begleitet. Ihr Erfolg in Melbourne ist nicht nur ein persönlicher Sieg, sondern auch ein Zeichen für den Fortschritt junger Athleten, die in der heutigen Zeit erfolgreich sein möchten, während sie gleichzeitig die Herausforderungen, die mit dem Hochleistungssport einhergehen, meistern müssen.