Am 10. Februar 2026, einen Tag vor dem jährlich begangenen Equal Pay Day, wird der Gender Pay Gap in Österreich erneut ins Rampenlicht gerückt. Der Unterschied im Einkommen zwischen Frauen und Männern beträgt aktuell 11,55 Prozent. Politische Parteien zeigen sich einig, dass dieser Zustand als untragbar angesehen wird und fordern umfassende Maßnahmen zur Behebung der Lohndiskriminierung. Die Koalitionspartner betonen, dass sie aktiv am Problem arbeiten, während die Grünen die Regierung für ihre unzureichenden Maßnahmen kritisieren.
Die politischen Forderungen umfassen eine erhöhte Lohntransparenz, verbesserte Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie eine gerechtere Bezahlung in Berufen, die traditionell von Frauen dominiert werden. Besonders hervorgehoben wird, dass eine faire Bezahlung eng mit der Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen verknüpft ist. SPÖ-Frauensprecherin Sabine Schatz und ÖVP-Frauenchefin Juliane Bogner-Strauß kritisieren beide strukturelle Unterschiede, die die Lohngleichheit erschweren. Anlässlich des bevorstehenden Equal Pay Days, wird klargestellt, dass die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz höchste Priorität haben muss.
Forderungen an die Politik
Die Freiheitlichen Partei, FPÖ, präsentiert ein Maßnahmenpaket mit dem Ziel, insbesondere kleinere und mittlere Einkommen zu entlasten. Rosa Ecker, Vertreterin der FPÖ, weist darauf hin, dass Frauen weniger finanziellen Spielraum und geringere Aufstiegschancen haben. Daher wird eine Unterstützung für Frauen in besser bezahlten Branchen gefordert. Zudem wird betont, dass gewohnte Gehaltstransparenz ohne bürokratische Hürden umgesetzt werden sollte, ergänzt durch wirksame Sanktionen bei Ungleichbehandlung.
NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter hebt die Bedeutung einer frühzeitigen Finanzbildung in Schulcurricula hervor. Gleichzeitig kritisiert sie Bundesländer mit konservativen Regierungen, die Reformen verzögern und dadurch die Gleichstellung der Geschlechter behindern. Auch die Grünen fordern mehr Engagement von der Regierung zur Umsetzung bereits angekündigter Maßnahmen.
Der Stand in Deutschland
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass die Situation in Deutschland ähnlich angespannt ist. Der unbereinigte Gender-Pay-Gap lag 2023 bei rund 18 Prozent, was Deutschland einen der höchsten Werte innerhalb der EU beschert. Der durchschnittliche Verdienst von Frauen betrug 2022 lediglich 22,81 Euro pro Stunde, was 4,24 Euro weniger als der Stundenlohn der Männer darstellt. Trotz des Entgelttransparenzgesetzes, das seit 2017 in Kraft ist und Lohngleichheit fördern soll, zeigen nur 30 Prozent der Unternehmen Fortschritte in der Berichterstattung über Gleichstellung und Entgeltgleichheit.
Die aus der EU stammende Richtlinie zur Entgelttransparenz, die 2023 verabschiedet wurde, zielt darauf ab, die Transparenz zu erhöhen und sanktionierende Maßnahmen für Unternehmen einzuführen, die gegen das Entgeltgleichheitsprinzip verstoßen. Diese Richtlinie muss bis spätestens Juli 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Tarifautonomie und die individuelle Vertragsfreiheit.
Die Ursachen für den Gender Pay Gap sind vielfältig, wie auch die Bundesregierung unterstreicht. Frauen sind häufig in schlechter bezahlten Berufen tätig, sind unterrepräsentiert in Führungspositionen und kämpfen zusätzlich gegen Rollenstereotype, die unausgesprochene Diskriminierung nach sich ziehen. Maßnahmen wie der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen sowie die Förderung und Unterstützung von Frauen in Führungspositionen sind notwendig, um die Lohnlücke nachhaltig zu schließen.
Bevor der Equal Pay Day erneut ins Bewusstsein rückt, stehen sowohl Österreich als auch Deutschland vor der Herausforderung, grundlegende Veränderungen herbeizuführen, um die Gleichheit in der Arbeitswelt zu gewährleisten. Die jüngsten politischen Debatten zeigen, dass die Notwendigkeit für Aktionen und Reformen weiterhin besteht, um Frauen eine gerechtere Vergütung und gleiche Chancen in der Berufswelt zu sichern.
Vienna.at berichtet von der bevorstehenden politischen Einigung zur Bekämpfung des Gender Pay Gap, während Deutschlandfunk auf die Situation in Deutschland eingeht. Weitere Hintergründe bietet BMBF mit Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und den bestehenden Herausforderungen.