Die österreichische Bundesregierung hat ein umfassendes Investitionspaket in Milliardenhöhe vorgestellt, das darauf abzielt, die heimische Industrie zu stärken. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Peter Hanke und Staatssekretär Josef Schellhorn werden die Details am Freitag in Wien bekannt geben. Der Kern dieses paketartigen Ansatzes ist ein staatlich subventionierter Industriestrompreis sowie bedeutende Investitionen in neun Schlüsseltechnologien. Bis 2029 sollen insgesamt 2,6 Milliarden Euro aus dem Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) bereitgestellt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie nachhaltig zu verbessern.

In diesem Rahmen sind auch vereinfachte Genehmigungsverfahren und die Einführung neuer Ausbildungsberufe geplant, um den Anforderungen der Industrie gerecht zu werden. Die Investitionen sollen gezielt durch Garantien und Haftungen unterstützt werden. Insgesamt umfasst die neue Industriestrategie 100 Maßnahmen, die in sieben Handlungsfeldern organisiert sind. Ein besonderer Fokus liegt auf den folgenden neun Schlüsseltechnologien:

  • Künstliche Intelligenz und Dateninnovation
  • Chips und elektronische Komponenten/Systeme
  • Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik
  • Quantentechnologie und Photonik
  • Fortgeschrittene Werkstoffe
  • Life Sciences & Biotech
  • Energie- und Umwelttechnologien
  • Mobilitätstechnologien
  • Weltraum- und Luftfahrttechnologien

Strategische Ausrichtung und Zielsetzungen

Infrastrukturminister Hanke betont die Rückkehr zu einer starken lokalen Produktion mit der Botschaft „Made in Europe oder Made in Austria“. Zudem ist es das strategische Ziel, den Anteil Österreichs im globalen Export-Ranking der Bahnindustrie von Platz sieben auf Platz vier zu steigern. Die Umsetzung der neuen Maßnahmen wird durch messbare Kennzahlen erfolgsorientiert überwacht, und eine eigens eingerichtete Taskforce „Industrie“ wird jährlich berichten. Die gesamte Strategie soll alle drei Jahre auf ihre Zielsetzungen überprüft werden, mit dem ambitionierten Ziel, zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt zu gehören.

Besonders hervorzuheben ist, dass der Anteil des Infrastrukturministeriums an der Förderung für die Schlüsseltechnologien über 1 Milliarde Euro beträgt. Neu an dieser Strategie ist die Ausrichtung auf klare Technologiesektoren, die auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugutekommen sollen.

Die deutsche Perspektive

Parallel zur österreichischen Initiativen hat die deutsche Regierung im Koalitionsausschuss mehrere Maßnahmen vereinbart, um die Industrie zu unterstützen. Dazu gehört ein staatlich subventionierter Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde, der für die Jahre 2026 bis 2028 gelten soll. Diese Gespräche mit der EU-Kommission sind bereits weitgehend abgeschlossen. Zudem gibt es Pläne für den Bau neuer Gaskraftwerke, mit einer Ausschreibung von acht Gigawatt im kommenden Jahr.

Die deutsche Bundesregierung sieht die wirtschaftspolitischen Entscheidungen als entscheidend an, um die Standortsicherheit und die Beschäftigung zu gewährleisten. Überdies wird erwartet, dass durch den Deutschlandfonds, der öffentliche Mittel von 10 Milliarden Euro beinhaltet, private Investitionen von bis zu 100 Milliarden Euro mobilisiert werden.

Die europaweiten Initiativen der Europäischen Kommission, die zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Europa dienen, stellen ebenfalls wichtige Handlungsfelder wie bezahlbare Energie und Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt. Der „Clean Industrial Deal“ der Kommission wird als Schlüssel für die Transformation der europäischen Wirtschaft angesehen. Dazu sind unter anderem Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise geplant, einschließlich der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und der Stärkung von Energiegemeinschaften.

Die Entwicklungen sowohl in Österreich als auch in Deutschland zeigen, dass die industriellen Strategien auf eine nachhaltige Zukunft ausgerichtet sind, um den Herausforderungen des globalen Marktes zu begegnen und die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Länder zu erhöhen.